Von heute auf Morgen Führungskraft - und was nun?

Ja, diesen mitunter abrupten Switch kenne ich (Andrea) gut. Zwar begleite ich nun seit rund 12 Jahren als Trainerin und Coach Führungskräfte verschiedener Ebenen und Unternehmen, doch vorher war ich selbst fünf Jahre lang als Führungskraft tätig und habe zuerst ein Team mit 20 und später stellvertretend eine Abteilung mit 40 Personen geführt.

Begonnen hat dieser Weg damals am 1. März 2001, ich erinnere mich noch sehr gut: mein Puls schlägt schneller als sonst, ein flaues Gefühl im Magen breitet sich aus, doch da ist neben der Nervosität auch diese Vorfreude und Neugier auf das, was mich an meinem 1. Tag als Führungskraft erwartet. Gestern noch Kollegin und über Nacht sitze ich nun ‚auf der anderen Seite‘. Eine Veränderung, die so einiges ins Ruckeln gebracht hat, denn ab diesem Tag war ich nicht mehr nur für meine eigenen Ergebnisse verantwortlich, sondern auch für die meines Teams. Und da sind wir schon bei einem der zentralsten Elemente, wenn wir über Führung sprechen: Verantwortung! Verantwortung sich selbst und den anvertrauten Menschen gegenüber. Eine Aufgabe, die einen bewussten Umgang erfordert, in die man eben nicht einfach so über Nacht hineinwächst, sondern die Zeit und Wissen braucht.

So wie mir damals, geht es heute tagtäglich neuen Führungskräften in Unternehmen, die den Sprung ins kalte Wasser des Führungsbeckens wagen. Auf den ersten Blick scheinbar leicht zu meistern, bringt er bei näherer Betrachtung gewisse Hürden mit sich. Nicht wegen neuer fachlicher Anforderungen, sondern wegen zahlreicher, meist nicht vorhersehbarer Situationen im psychologischen und kommunikativen Bereich. Und diese Hürden nehmen wir in unseren Beratungs- und Coachinggesprächen oder auch Führungskräftecoachinaren immer wieder wahr. Besonders dann, wenn wir mit den Menschen darüber sprechen, vor welchen Herausforderungen sie unmittelbar vor und während der ersten Tage als neue Führungskraft stehen. Hier ein paar Aspekte, die uns oft begegnen:

  • Es fällt mir schwer, mir selber die Berechtigung in meiner Rolle als Führungskraft zuzusprechen.
  • Wie schaffe ich es, Erwartungen an Mitarbeiter klar zu kommunizieren und woher weiß ich, was von mir in der neuen Rolle erwartet wird?
  • Es fällt mir schwer, Nein zu sagen oder mir einzugestehen, dass ich auf eine Frage des Mitarbeitenden keine Antwort habe.

3 Impulse für ein gesundes und souveränes Führungsverständnis, mit dem Du authentisch und leistungsfähig bist & bleibst

1. Führung fängt immer bei einem JA zu sich selbst an!

Die Berechtigung zur Führung kannst Du Dir nur selbst geben. Denn: Wie sollen Dir andere Menschen die Berechtigung als Führungskraft geben, wenn Du Dir diese nicht selbst gibst? Führung entsteht also im Wesentlichen aus einer inneren Haltung – einer Selbstführung – die u.a. davon lebt, sich so anzunehmen, wie man ist. Und dabei geht es nicht darum perfekt zu sein oder so gut zu sein, wie der/die Vorgänger*in, sondern vielmehr darum, mit der eigenen Persönlichkeit die Rolle authentisch zu bestücken. Und das kommt an! Denn sobald Du Dir selbst die Berechtigung, also das JA zu Dir als Führungskraft gibst, spüren das auch Deine Mitarbeitenden!

Übrigens: es ist nie zu spät, JA zu sagen. Auch erfahrene Führungskräfte stehen manchmal vor der Situation, an sich selbst bzw. den eigenen – oft übersteigerten Ansprüchen - zu scheitern. Wenn Du das auch bei Dir selbst spürst, dann laden wir auch Dich ein, Dein JA zu Dir als Persönlichkeit mit allen Talenten, Ecken und Kanten aufzufrischen.

2. Lebe vor, was Du Dir von anderen wünschst.

… oder auch: erwarte nicht von anderen, was Du selbst nicht bereit bist, zu leben. Gerade beim Thema Erwartungen nehmen wir im Kontakt mit Führungskräften und deren Teams immer wieder ein Vakuum zwischen geäußerten und unausgesprochenen Erwartungen wahr - sowohl auf Seite der Führungskraft als auch auf der des Teams. Dieses Vakuum entsteht in 99% der Fälle aus mangelnder Kommunikation. Da wünscht sich die Führungskraft bspw. Mitarbeitende, die klar sagen, was ihnen wichtig ist, kommuniziert aber selber nicht eindeutig und klar, welche Erwartungen sie an das Team bzw. an jede/n Einzlene/n des Teams hat. Ein wunderbarer Nährboden für Konflikte!

Um diesen so gering wie möglich zu halten, kläre in Eins-zu-eins-Gesprächen mit jedem Mitarbeitenden glasklar die Erwartungen, die Du an ihn/sie hast und hole Dir ebenso ab, welche Erwartungen der- bzw. diejenige an Dich als Führungskraft hat. So haben versteckte Erwartungen keinen Platz, um zum Energiefresser zu werden. Im Übrigen können Deine Mitarbeitenden am besten gute Ergebnisse liefern, wenn sie im Detail wissen, was von ihnen erwartet wird.

3. Beteiligung: DER Hebel für Motivation - und Entlastung dazu!

Gott sei Dank musst Du als Führungskraft weder alles wissen noch selber machen können. Du darfst also auch mal NEIN sagen. Denn entscheidend ist nicht, dass Du immer Ja sagst bzw. die Antwort oder Lösung kennst. Im Gegenteil, viele Mitarbeitende wollen ihren Teil zu einem Thema, einem Problem beitragen. Also nutze dieses Potenzial und biete Deinen Mitarbeitenden regelmäßig die Gelegenheit an, sich aktiv an Projekten und Entscheidungen zu beteiligen. Natürlich kannst Du niemanden zwingen, aber manch ein introvertiertes Teammitglied vermag mit einem Mal aufzublühen, wenn Du ein urteilsfreies, offenes Forum für den Austausch von Ideen schaffst.

Denn: wir haben immer wieder beobachtet, dass Nachwuchsführungskräfte Gefahr laufen, aus Unwissenheit oder auch Übermut im eigenen Kämmerlein falsche Entscheidungen zu treffen. Wenn Du also erfahrene Teammitglieder im Vorfeld miteinbeziehst, um damit eine sichere und erfolgreiche Entscheidungsgrundlage zu schaffen, hast Du eine der wichtigsten Führungskompetenzen gemeistert: echte Beteiligung! Und das ist gelebte Wertschätzung, die Vertrauen schafft und Vertrauen ist bekanntermaßen einer der wichtigsten gelebten Werte, der eine gute, wirksame Führungskraft auszeichnet.

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Fazit

Damit Dir der Rollenwechsel zur Führungskraft wirkungsvoll gelingt, kannst Du also einige Aspekte beachten und in Deinem Vorgehen berücksichtigen. Im Vordergrund steht bei allem: gehe mit Dir als Person nicht zu hart ins Gericht, gebe Dir selbst die Berechtigung, als Führungskraft tätig zu sein und spreche frühzeitig Erwartungen an.

Wir wünschen Dir und Deinem Team viele gemeinsame Erfolgserlebnisse und gutes Gelingen, Dich selbst und die Menschen souverän und authentisch zu führen.

Herzliche Grüße
Die Zwei von 2care

Wir l(i)eben Gesundheit!

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