Von Frauen, Weltmeisterinnen & Frechdachsen

Im letzten Monat ging es hier darum, wie Unternehmenskultur nachhaltig gesund mit Leben gefüllt werden kann. Heute schreiben wir mit Wut im Bauch. Ehrlich!... Und die muss jetzt mal raus. Nicht um Dich zu ärgern, sondern weil wir uns geärgert haben. Wir dachten eigentlich, dass Unternehmen heute schon ein paar Schritte weiter seien.

Mal ehrlich - so nicht!

Da berichtet eine COACHinar-Teilnehmerin, nennen wir sie Frau M, von ihrem Glück, aus einer Umstrukturierungmaßnahme mit einer Beförderung herauszugehen. Sie arbeitet seit vielen Jahren bei einer namhaften Krankenversicherung. Durch Zusammenlegung von Kundencentern fallen Arbeitsplätze weg, auch etliche Führungspositionen sind betroffen. Ihr wurde nun angeboten, ab Oktober eine leitende Aufgabe zu übernehmen. Das freut sie sehr. Sie fühlt sich gesehen und wertgeschätzt. ABER: im zweiten Gespräch wurde ihr gesagt, dass sie die Aufgabe bereits ab April ausüben soll ... die Bezahlung folge dann "wie besprochen" ab Oktober. Vielleicht hat sie in dem Moment etwas irritiert geguckt, jedenfalls wurde noch nachgeschoben, dass sie die Aufgabe nicht übernehmen müsse. Es gebe einige bisherige Führungskräfte, die in den Startlöchern stünden und sie könne alternativ auch eine Sachbearbeiterfunktion in einer anderen Geschäftsstelle übernehmen.

Wie bitte?? Da haben wir ziemlich kariert geguckt! Du kannst Dir sicher vorstellen, welche Gefühlslage sich nun bei Frau M ausbreitet: Trauer, Wut, ein Gefühl von Hilflosigkeit ... und eine große Portion Demotivation angesichts der Perspektive, ein halbes Jahr ohne finanziellen Gegenwert die volle Verantwortung tragen zu müssen.

Dass das nichts mit gesunder Unternehmenskultur zu tun hat, versteht sich von selbst. Mit gesunder Führung auch nicht. Natürlich möchten wir aufgrund dieses einen Beispiels nichts verallgemeinern, aber so lange solche Dinge passieren, gibt es noch viel zu tun in deutschen Unternehmen!

Warum wir Dir diese Geschichte auch erzählen: Frauen sind in diesem neuen Monat unser Thema! Wir möchten mit Dir gemeinsam heute und in den nächsten beiden Blogs darüber nachdenken,

  • wo Frauen in der Gesellschaft und in Unternehmen heute stehen und woran es liegt, dass es immer noch keine wirkliche Gender-Gleichberechtigung gibt.
  • wie es um Frauen in Führungspositionen steht und
  • was frau braucht, um ihre Rolle(n) gesund leben zu können.

Das alles natürlich wieder auf unsere ganz eigene, 2care-typisch erfrischend andere Art! Lass' Dich überraschen ...

Kommen wir zurück zu Frau M: sie hat sich zähneknirschend entschieden, die neue Führungsaufgabe anzutreten, die Zeit bis Oktober als Lernphase zu sehen und sich auf die dann folgende höhere Besoldungsgruppe zu freuen. Eine aus unserer Wahrnehmung fast typische Entscheidung. Und zudem ja auch eine ressourcenorientierte: Frau M hält sich nicht lang mit ihrem Ärger auf und schaut auf das Gute, auf die Beförderung, die sie sich schon so lange gewünscht hatte. Es hätte sie viel schlimmer treffen können, denn immerhin wird sie nicht "abgebaut".

Und dennoch: es bleibt ein schaler Beigeschmack - wir fragen uns: Hätte ein Mann genauso reagiert? Oder hätte er selbstbewusst das Gespräch gesucht und die sofortige Höherstufung eingefordert? Hätte er sich einschüchtern lassen von der Aussage, dass weitere Kandidaten für die Position Schlange stehen?

Frauen sind Weltmeisterinnen!

Das Beispiel unserer Frau M macht deutlich, worin Frauen Weltmeisterinnen sind:

  • Sie machen tagtäglich einen hervorragenden Job, ob im Beruf, in der Familie oder im Ehrenamt. Meist still und leise, weil sie davon überzeugt sind, dass ihre Leistung auch so gesehen und gewertschätzt wird.
  • Sie fügen sich wie ein passendes Puzzle-Teil nahtlos in bestehende Systeme ein. Meist still und leise, weil sie davon überzeugt sind, dass so der meiste Mehrwert entsteht.

Frauen sind Weltmeisterinnen in Bescheidenheit!

Astrid Lindgren wusste es besser!

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Wir lieben dieses Zitat und spüren doch in unserer täglichen Arbeit oft, wie schwierig es gerade für Frauen umzusetzen ist, obwohl es so leicht daher kommt. Heute möchten wir alle Frauen unserer Leserschaft daher zum Nachdenken anregen:

  • Was hindert Dich daran, frech & wild zu sein? Was lässt Dich an Deiner Bescheidenheit festhalten?
  • Nur mal angenommen, Du verhieltest Dich in einer Situation frech & wild: was würde passieren?
  • Nur mal angenommen, es würde dann ganz Wunderbares passieren: was brauchst Du, um künftig häufiger frech & wild zu sein?

Wenn Du Dich bis hierhin als männlicher Leser nicht so richtig angesprochen gefühlt hast, dann haben wir noch einen kleinen Impuls für Dich:

  • stell' Dir eine Welt aus frechen, wilden, wunderbaren Menschen vor - egal welchen Geschlechts! Stell' Dir vor, Menschen täten wieder das, was ihrem Inneren entspricht, ohne Rücksicht auf (vermeintliche) Konventionen. Stell' Dir vor, Menschen stellten ihr Herz nach ganz vorn? Wie bunt wäre unsere Welt ... stell`sie Dir vor!

Mit diesen vielen Fragen und Visionen einer bunten Welt im Gepäck wünschen wir Dir eine gesunde - ja, eine bunte - Zeit.

Sei ein Frechdachs! Sei ein Wildling! Sei wunderbar!

Herzlichst,
Andrea Lawlor & Christine Kempkes

Wir l(i)eben Gesundheit!

Aus dem 2care Blog