Selbstbewusst als Führungskraft in drei Schritten

Eine große Herausforderung

Heute verrate ich Dir, was für Führungskräfte bei mir im Coaching die größte Herausforderung ist. Mich hat diese Erkenntnis übrigens sehr berührt und überrascht. Aber auch sehr in meiner Arbeit bestärkt. Die größte Herausforderung ist die Antwort auf die Frage: Was sind Ihre größten Stärken? In der Regel ist die Reaktion ein tiefes Durchatmen, ein erstaunter Blick – und Ratlosigkeit. Darüber haben sich viele noch keine Gedanken gemacht. Weil sie ihren Fokus nur auf den eigenen Schwächen haben.

Die eigenen Stärken in den Blick nehmen

Eine Seminarteilnehmerin sagte mal zu mir: Aber ich bin doch hier, um meine Schwächen auszumerzen. Nur dann kann ich doch einen guten Job machen. Sie leitete ein Team mit 40 Mitarbeitern und im Seminar stellte sich bei einem Blick auf ihren beruflichen Weg heraus, dass sie eine enorme Entwicklung durchlaufen und viel erreicht hatte. Ihr Chef schätzte sie, weil sie ihr Team wertschätzend und stärkenorientiert führte, kaum Fluktuation und einen sehr niedrigen Krankenstand hatte. Aber ihr Blick auf sich selbst war trotz der positiven Rückmeldungen immer noch in erster Linie auf ihre vermeintlichen Schwächen gerichtet.

Umso überraschter war sie, als die Kollegen ihr rückmeldeten, dass sie für viele ein Vorbild sei und wenn es überhaupt Schwächen gäbe, die doch gar nicht weiter ins Gewicht fielen. Im Seminar gelang es ihr dann, ihren beruflichen Weg zu würdigen, ihre Fähigkeiten und Kompetenzen in den Blick zu nehmen – und diese auch zu wertschätzen und nicht einfach als selbstverständlich hinzunehmen. Am Ende des Seminars saß sie mit leuchtenden Augen vor mir und sagte, dass sie jetzt einen völlig anderen Blick auf sich und ihre Arbeit habe. „Das setzt in mir ganz neue Kräfte frei, ich kann gestärkt und motiviert meinen beruflichen Weg weitergehen und stehe mir nicht mehr selbst mit meinen ständigen Zweifeln im Weg“.

Ein gesunder und wertschätzender Blick auf die eigenen Stärken

Gibt es in Dir auch so eine Instanz, die Dir sagt, dass Du endlich Deine vermeintlichen Schwächen überwinden musst? Oder hast Du schon einen gesunden und wertschätzenden Blick auf Deine Stärken und das, was Dir gut gelingt?

Viele Menschen haben Sorge, dass dieser Blick auf sich selbst eher dazu führt, dass man überheblich wird und sich nicht weiterentwickelt. Aber Studien zeigen: Energie, Motivation und Visionen werden vor allem freigesetzt durch eine innere Haltung der Wertschätzung. Sich selbst und auch anderen gegenüber.

Wertschätzung - der Dünger für ein gutes persönliches Wachstum.

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Wenn man einen Baum pflanzt, fängt man ja auch nicht sofort damit an, ihn zu beschneiden, weil ein Ast scheinbar krumm wächst. Sondern sorgt dafür, dass er einen guten Boden hat, in dem er Halt findet. Damit er in Ruhe wachsen und seine Früchte hervorbringen kann.

Wertschätzung uns selbst gegenüber ist der Boden, auf dem wir unser volles Potential entwickeln können. Erst wenn man sich in diesem Boden verwurzelt hat, macht es auch Sinn, hin und wieder etwas zu begradigen, in dem Wissen, dass die Basis stimmt und gut ist.

Eigene Entwicklungsmöglichkeiten mit Freude entdecken

Eine Klientin, die bei mir im Coaching war stand vor der Frage, ob sie die neue Herausforderung, die ihre Vorgesetzten ihr anboten, annehmen sollte. Im gemeinsamen Gespräch wurde immer klarer: Ihr Blick war vor allem auf das gerichtet, was aus ihrer Sicht noch nicht perfekt war und möglicherweise dazu führen könnte, dass sie scheitern würde. Je mehr sie darüber sprach, was alles schief gehen könnte und was ihr vielleicht nicht gelingen würde, desto mutloser wurde sie. Ich stellte ihr dann die Frage: „Warum wird es Ihnen gelingen, die neue Aufgabe zu meistern und gut zu machen?“

Nach und nach sprudelte es aus ihr heraus. Ihr fielen immer mehr Gründe ein, die sie darin bestärkten, dass sie ihrer neuen Aufgabe gewachsen ist. Anhand von vielen Beispielen, die ihr aus ihrem Berufsleben einfielen, wurde ihr klar, dass sie mehr als genug Fähigkeiten und Kompetenzen mitbringt. Sie konnte die neue Aufgabe als Entwicklungsschritt auf ihrem Weg sehen. Und auch erkennen, dass sie die Wertschätzung ihrer Vorgesetzten für ihre Arbeit ohne Vorbehalt annehmen darf, stolz sein kann auf das, was sie schon geleistet hat. Sie erlaubte sich schließlich, die Freude für den neuen Gestaltungsspielraum und die Entwicklungsmöglichkeiten zu spüren.

Ein Persönlichkeitsprofil als einzigartiger Fingerabdruck

Was ihr bei diesem Blick auf ihre Stärken auch half, war ein wertebasiertes Persönlichkeitsprofil, das ich im Coaching für sie erstellt hatte. Dort war klar zu sehen, dass bei ihr die sozialen Fähigkeiten, die Handlungsorientierung und das strategische Denken überdurchschnittlich ausgeprägt sind. Daran erinnerte ich sie immer wieder, wenn sie sich im Blick auf ihre Schwächen verlor. Und sie musste schließlich über sich selbst und ihre Zweifel lächeln.

Denn auch das ist eine wichtige Erkenntnis aus meinen Jahren als Coach: Durch ein Persönlichkeitsprofil werden viele Menschen in die Lage versetzt, mehr an sich und ihre Stärken zu glauben. Vorher gibt es vielleicht eine Ahnung, die aber schnell im Sumpf der inneren Kritik und Zweifel erstickt werden. Sobald etwas schwarz auf weiß in gedruckter Form, wissenschaftlich validiert vor einem liegt, gelingt der Glaube an die eigenen Stärken und Fähigkeiten leichter und ist eine sehr wirkungsvolle Basis für die Entwicklung der eigenen Stärken.

Wertschätzung als Basis für ein gesundes und starkes Selbstbewusstsein

Echtes Selbstbewusstsein beinhaltet eine grundsätzliche innere Haltung der Wertschätzung. Das heißt, sich selbst und den Anderen in seinem So sein zu schätzen. Einen positiven Blick auf sich selbst und den Menschen vor sich zu haben.

Nur wenn ich bei mir selbst mit einer Haltung der Wertschätzung beginne, kann ich das auch in der Führung meiner Mitarbeiter.


Die drei Schritte selbstbewusster Führung

Mit diesen drei Schritten schenkst Du Dir selbst einen guten Boden, auf dem Deine Stärken wachsen und gedeihen können.

  1. Sich selbst gegenüber eine innere Haltung der Wertschätzung einnehmen.
    Praxistipp: Jeden Tag drei Dinge aufschreiben, die Dir gut gelungen sind.
  2. Regelmäßig innehalten um einen Fokus zu setzen und Fortschritte zu erkennen
    Praxistipp: Am besten jede Woche einen festen Reflexions-Termin eintragen und Erkenntnisse schriftlich festhalten.
  3. Die eigenen Stärken und Fähigkeiten immer wieder in den Blick nehmen.
    Praxistipp: Frage Dich, wo konnte ich meine Fähigkeiten nutzen, was habe ich mit ihnen bewirkt. Suche Dir konkrete Beispiele, um Deinen inneren Zweifler zu überzeugen. Lasse Dich mit einem Persönlichkeitsprofil unterstützen.

Nimm Dir regelmäßig Zeit für Dich selbst und denke daran, dass Du der wichtigste Mensch in Deinem Leben bist. Vielleicht kann diese Geschichte vom Holzfäller Dich immer mal wieder daran erinnern.

Ein Spaziergänger trifft in einem Wald auf einen Holzfäller, der mühsam versucht, mit seiner stumpfen Säge einen Baum zu fällen. Er tritt an ihn heran und fragt „Aber guter Mann, Ihre Säge ist ja ganz stumpf. Warum schärfen Sie sie denn nicht?“ Darauf antwortet der Arbeiter: „Dafür habe ich keine Zeit, ich muss doch sägen…!“

Herzliche Grüße,
Alexandra Cordes-Guth


Zur Autorin: Alexandra Cordes-Guth ist systemischer Coach und Therapeutin, lebt und arbeitet in Ravensburg und begleitet seit 15 Jahren Menschen auf dem Weg zu einem gesunden und starken Selbstbewusstsein, unter anderem unterstützt sie in ihrer Arbeit das Persolog Profil und Profiling Values. Dabei liegt ihr vor allem das Thema Wertschätzung als innere Haltung am Herzen. Als wichtigstes Element für eine erfolgreiche persönliche Entwicklung und eine gesunde Unternehmenskultur.

www.der-wertschätzungs-coach.de

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Aus dem 2care Blog