mut zur lücke - von der notwendigkeit einer liberlalen fehlerkultur

Beruflich wie privat sind wir derzeit ziemlich gefordert Neues zu lernen und uns auszuprobieren, ob mit neuer Technik oder in veränderten Strukturen, wie im Homeoffice, Homeschooling & Co. Viele Bereiche des Lebens sind durcheinander geraten: eine Chance auf Neusortierung! Und dabei läuft nicht alles glatt. Wir treten in Fettnäpfe und machen auch Fehler.

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Wann hast Du zuletzt in Deinem Job etwas so richtig vermasselt? Wann ist etwas so richtig daneben gegangen? Erinnerst Du Dich noch, welcher Gedanke Dir zuerst durch den Kopf schoss? Vielleicht löst es auch jetzt noch ein unangenehmes Gefühl in Dir aus, sich in diese Situation hineinzuversetzen. Und gegebenenfalls spürst Du beim Gedanken daran sogar eine leichte Anspannung im Körper oder merkst, wie Deine Handinnenflächen feucht werden. Schon bei der bloßen Vorstellung springt bei vielen der innere Stressmotor an. Warum? Weil wir unseren Fehler stigmatisieren.

Der Umgang mit einem Fehler bestimmt die Tragweite seiner Konsequenz!

Was bedeutet das im Kontext des Miteinander-Arbeitens: Gibt es eine funktionierende Fehlerkultur, in der Fehler adäquat kommuniziert werden, sind diese leichter korrigierbar. Befürchtet ein Mitarbeitender jedoch schwerwiegende Konsequenzen, wird er vielfach versuchen seinen Fehler zu vertuschen. Die Folge: Ein Fehler erzeugt meist weitere. Und die negativen Auswirkungen einer Fehlerkette erwirken eine deutlich größere Tragweite.

Um Fehlerketten zu vermeiden, bedarf es einer liberalen, ja einer gesunden Fehlerkultur. Wenn Du Teil dieser Kultur werden willst, lerne 3 menschliche Standardfehler kennen und erfahre, wie Du auf neue Weise mit ihnen umgehen kannst.

Menschen und ihre drei Standardfehler

1. Ironischer Fehler – „Denke nicht an einen rosa Elefanten.“

Bloß nicht den Namen des Kunden vergessen, bloß nicht den Namen des Kunden vergessen… Zack, weg!

Diese Art von Fehler beschreibt Jürgen Schäfer in seinem Buch „Lob des Irrtums“ mit dem Begriff „Ironischer Fehler“. Soll heißen, ironische Fehler sind solche, die uns passieren, obwohl – oder gerade, weil - wir zwanghaft versuchen sie zu vermeiden. Ist ja auch klar, unser Gehirn ist nicht in der Lage ein Nein oder ein Nicht zu verarbeiten. Die Nachricht, die im Gehirn ankommt lautet: „Den Namen des Kunden vergessen!“ Zu diesem Decodierungsfehler des Gehirns kommt noch ein weiterer kognitiver Ablauf, der das Entstehen von ironischen Fehlern positiv begünstigt. Wenn bestimmte Fehlerausgänge stark mit negativen Konsequenzen verknüpft sind, wird beim Ausführen der Tätigkeit so viel Kapazität an das Verhindern des negativen Ausgangs gebunden, dass nicht genug Fokus übrigbleibt, um die Tätigkeit fehlerfrei auszuführen.

Lasse den Fehler zu und benenne das Zielverhalten positiv!

Wenn Du Dir selbst und Deinem Team einen Raum für Fehler einräumst, wirst Du merken, wie sich die Anzahl an ironischen Fehlern verringert. Zusätzlich wird sich bei Dir und in Deinem Team mehr Gelassenheit einstellen. Nur einer der positiven Nebeneffekte einer liberalen Fehlerkultur. Achte außerdem auf Deine Sprache. Solltest Du häufig negative Formulierungen verwenden überlege Dir, wie Du das Zielverhalten positiv benennen kannst. Um im Beispiel zu bleiben: Statt „Bloß nicht den Namen des Kunden vergessen“, könnte ein „Denke daran, den Namen des Kunden zu erwähnen“ treten. Das stärkt zudem die Motivation.

2. Abwegiger Fehler – auf die Perspektive kommt es an

„Wie kann denn jemandem ein solcher Fehler passieren?“ Wenn Du Dir diese Frage stellst, ist wahrscheinlich gerade jemandem ein abwegiger Fehler unterlaufen. Der zweite Standardfehler zeichnet sich dadurch aus, dass es für einen Außenstehenden nicht nachvollziehbar ist, wie ein solcher Fehler zustande kommen kann. Abwegige Fehler sind von der Perspektive abhängig. Soll heißen, ein Fehler, der Dir als abwegig erscheint, erscheint aus einer anderen Perspektive ganz und gar nicht abwegig.

Haltung spielt eine übergeordnete Rolle im Umgang mit diesem Fehlertyp. Nur weil Du Dir nicht vorstellen kannst, dass Dir dieser Fehler passieren könnte, heißt das nicht, dass Du Deinem Gegenüber kein Verständnis für einen solchen Fehler zeigen kannst: Vielleicht zu Beginn ungewohnt, doch ein wichtiges Training. Jeder Mensch hat andere Stärken und Schwächen. So könnte es passieren, dass für jemand anderen die Dinge, an den Du am meisten knabberst und dort vielleicht einen Fehler einbaust, für ihn einen abwegigen Fehler darstellen.

Erlaube Dir und anderen also auch die Fehler, die vermeidbar oder unmöglich erscheinen!

Wir sind keine Roboter und so wird selbst Dir bei den einfachsten Routinearbeiten hin und wieder ein kleiner Fehler unterlaufen. Sich selbst oder anderen einen Fehler eingestehen lässt Dich nicht schwach erscheinen. Ganz im Gegenteil! Wer Fehler erlaubt wird als großzügig und vertrauensvoll wahrgenommen.

3.Kreativer Fehler – 1000 Arten einen „Fehler“ zu begehen

Ich habe nicht versagt, ich habe nur 1000 Wege gefunden, die nicht funktionieren.“

Am Ende fand Thomas Edison dennoch einen Weg, wie man einen kleinen Draht in einem Glaskolben zum Leuchten bringen kann. Die Glühbirne war erfunden. Wenn man den Prozess analysiert, wie Edison dieses Problem gelöst hat, kommt man zu dem Ergebnis, dass Edison viele Fehler gemacht hat. Was bedeutet es eigentlich für Dich, einen Fehler zu begehen?

Die deutsche Leistungsgesellschaft kann bislang einem Fehler selten etwas nichts Gutes abgewinnen. Sowohl der sprachliche Begriff als auch das gedankliche Konzept eines Fehlers sind negativ konnotiert. Wir fassen den Fehlerbegriff sehr eng. Meist gilt ein Ergebnis schon als Fehler, wenn es von der Idealvorstellung abweicht. So wie bekanntlich 1000 Wege nach Rom führen – oder eben zur Erfindung einer Glühbirne – so gibt es auch für die Lösung Deiner Probleme 1000 Lösungswege. Selbst wenn ein Weg nicht zum Erfolg führt, muss dieser Fehler nicht immer ein Versagen sein, sondern kann als eine wertvolle neue Erfahrung angesehen werden.

Geh neue Wege!

Wenn Du genug kreative Fehler machst und damit genug Erfahrung gesammelt hast, kannst Du diese Puzzlestücke zur Lösung des Problems zusammensetzen. Vielleicht ist das Resultat viel besser, als jenes, das Deiner Vorstellung entsprang. Komplexe Probleme erfordern kreative Lösungswege. Ein Fehler kann immer nur die Konsequenz einer Handlung sein. Handlungen brauchen Mut. Belohne diesen Mut!

Hin zur liberalen Fehlerkultur

Die Fehlertoleranz ist kulturell unterschiedlich stark ausgeprägt. Deutschland belegt laut einem internationalen Ranking von Professor Michael Frese den vorletzten Platz in punkto Fehlertoleranz. Aus meiner Wahrnehmung ein Indiz dafür, dass sowohl im beruflichen als auch im privaten Kontext Menschen durch ein dogmatisches Streben nach Perfektionismus noch immer unter Druck geraten. Darunter leiden nicht nur Leistungsfähigkeit und Stimmung, sondern langfristig wirkt sich dieser Druck auch negativ auf die psychische Gesundheit aus.

Es ist also an der Zeit, unsere Fehlerhaltung zu überdenken: Schluss mit der Stigmatisierung! Durch die negative Bewertung und die Angst vor den Konsequenzen, engen wir uns und unsere Mitmenschen und deren Gedanken ein und Handlungspotenziale werden geschmälert. Doch innovative Lösungen und davon brauchen wir gerade jetzt viele können nur entstehen, wo Menschen Freiraum zur Entfaltung haben. Diesen Raum sollten wir ihnen und uns selbst zurückgeben.

Wenn es gelingt, den Fokus weg von den Resultaten und hin zu den Prozessen zu lenken, können wir den Fehler sogar als etwas Positives verstehen. Er ist dann nicht mehr der Stein auf unserem Weg, sondern die Taschenlampe, die uns im Dunkeln den Weg zeigt:

  • Ein Fehler kann uns den Hinweis darauf geben, wo ein Prozess stockt.
  • Ein Fehler zeigt an, was es für den reibungslosen Ablauf zusätzlich oder stattdessen braucht.
  • Ein Fehler enthält wichtige, oft neue Informationen und fördert Kreativität.

Abschließend möchte ich Dir noch einen meiner Lieblingsgedanken im Umgang mit Fehlern mitgeben. Es ist ein Zitat von Winston Churchill:

„Ein kluger Mensch macht nicht alle Fehler selbst. Er gibt auch anderen eine Chance.“

In diesem Sinne: ermögliche Dir und anderen Chancen und bleibe gesund!

Andrea Lawlor
Inhaberin von 2care

Gemeinsam für eine gesunde Arbeitswelt!

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