Kontrolle ist gut - Vertrauen ist besser

Ach nein, andersherum ist es ein alt bekannter Satz: "Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!" - im Kontakt mit Führungskräften begegnet er uns auch heute noch immer wieder. Dahinter steckt oft der Wunsch nach Sicherheit und nach korrekten Ergebnissen, um möglichst von außen nicht angreifbar zu sein ("Ich muss ja schließlich den Kopf dafür hinhalten."). Oder auch die Sorge, das Geschehen nicht mehr "im Griff" zu haben, wenn die Mitarbeitenden autark agieren ("Ich gebe die Richtung vor, also muss ich auch sehen, ob die Ergebnisse passen."). Manche Führungskraft ist auch von dem Gedanken getrieben, Kontrolle gehöre zu ihren wesentlichen Aufgaben einfach dazu ("Vier Augen sehen mehr als zwei.").

Passen also Vertrauen und Business nicht zusammen? Sind es zwei Antagonisten, die sich gegenseitig ausschließen? Dieser Frage möchten wir in unserem heutigen Blog nachgehen.

Lass' uns dazu kurz in eine solche Welt eintauchen, in der Kontrolle ein wesentlicher Wert ist: in dieser Welt finden Abstimmungsschleifen statt, immer und immer wieder. Innovative Ideen in Projekten bekommen einen Dämpfer, weil erst noch der Lenkungsausschuss, die Geschäftsleitung oder sonst wer befragt werden muss. Arbeitsprozesse werden in die Länge gezogen, weil erforderliche Entscheidungen nicht dort fallen, wo die Arbeit erledigt wird. Die Folge: Menschen fühlen sich ausgebremst, verlieren ihre Lust, Ideen einzubringen und entwickeln sich langfristig zu nicht denkenden Handlangern ihrer Vorgesetzten.

Ok, das ist ein ziemlich schwarz gemaltes Bild! Wir möchten auch nicht behaupten, dass Kontrolle nirgends und nie erforderlich ist. Warauf wir hinaus möchten: welches Potenzial verschenken wir, wenn wir Vertrauen ausschließen? Dazu zwei Beispiele, die auf sehr unterschiedliche Weise zeigen, welche Kräfte freigesetzt werden, wenn Führungskräfte an die Stärken ihrer Mitarbeitenden glauben.

Beispiel 1: Sipgate - wo Recruiting ohne den Chef funktioniert

In der Düsseldorfer IT-Firma entscheiden die Mitarbeitenden, wer eingestellt wird. Genauer gesagt das Team, in dem der Bewerber künftig arbeiten wird. Eigentlich logisch, oder? Denn wer weiß besser, welche Fähigkeiten und Kenntnisse gebraucht werden und wer menschlich gut ins Team passt, als das Team selbst? Dabei ist das Team für den kompletten Bewerbungsprozess verantwortlich, vom Sichten der Unterlagen, über die Vorstellungsgespräche bis hin zu den Absageschreiben. Wer glaubt, das verlängere den Prozess, liegt offensichtlich falsch, da die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt wird. Hier findest Du ein wirklich interessantes Interview zum Auswahlverfahren bei Sipgate und der Philosphie dahinter.

Was uns bei diesem Beispiel so gut gefällt: die Menschen haben durch die Verantwortung, die ihnen übertragen wird, auch die Tragweite ihrer Entscheidungen im Blick. Sollte sich später herausstellen, dass der Bewerber doch nicht so gut passt, können sie es nicht auf den Chef oder die Personalabteilung schieben. Möchten sie auch gar nicht, denn sie haben gelernt, sich selbst für die Konsequenzen ihres Handelns verantwortlich zu fühlen. Und ganz wichtig: sie spüren, dass ihr Chef ihnen zutraut, den passenden Nachwuchs zu rekrutieren. Weder die Geschäftsführung noch die Personalabteilung erheben den Anspruch, selbst die "einzig wahren" Einstellungsgespräche zu führen. Sie vertrauen auf das gute Gespür ihrer Mitarbeitenden, sich für die Menschen zu entscheiden, die am besten zu ihnen und dem Unternehmen passen.

Sipgate spricht damit fundamentale Werte an: Menschen, die auf diese Weise Vertrauen erfahren, haben eine intensive Bindung zu ihrem Arbeitgeber, sie stärken den Teamzusammenhalt und die gemeinsame Motivation, beste Ergebnisse zu liefern.

2. Beispiel: Tour des Lebens - wenn Auszubildende über sich hinaus wachsen

Bodo Janssen ist mit seiner Hotelkette Upstalsboom bekannt für ungewöhnliche Wege in der Unternehmensführung. Doch was er mit seinen Auszubildenden im Frühjahr 2016 erreichte, sucht seinesgleichen: nach über einjähriger Vorbereitungszeit bestieg er mit einer Gruppe von Auszubildenden den Kilimandscharo. Allesamt junge Menschen, die sich zwei Jahre zuvor nicht in ihren kühnsten Träumen vorstellen konnten, so etwas jemals zu tun. Doch Bodo Janssen traute ihnen das zu ... und wohin dieses Vertrauen führen kann, siehst Du hier in einem sehr bewegenden Trailer.

Für uns ist das ein wunderbares Beispiel, dass Vertrauensvorschuss Energie freisetzt und das Selbt-Vertrauen stärkt. Denn dieses außergewöhnliche Engagement der Auszubildenden war nicht nur möglich, weil Bodo Janssen ihnen das zutraute, sondern auch, weil sie selbst Schritt für Schritt spürten, dass sie den Berg bezwingen können. Weil jemand an sie glaubte und sie dadurch begriffen, an sich selbst und ihre eigene Stärke glauben zu dürfen. Vertrauen und Selbst-Vertrauen hängen eng miteinander zusammen.

So weit so gut - wir erleben, wie anspruchsvoll es ist, im Business Vertrauen zu schenken und wir sehen diese beiden Beispiele, die eine ganz andere Sprache sprechen.

Was also führt dazu, dass Vertrauen im Business möglich wird?

Wir Zwei von 2care glauben, die Antwort lässt sich auf eine ganz einfache Essenz reduzieren:

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... oder auch: ohne Saat keine Ernte! Die gute Nachricht: ein winziges Samenkorn genügt für's erste. Denn daraus wächst im Laufe der Zeit immer mehr. Vertrauen hat also auch etwas mit "sich trauen" zu tun und mit dem Mut, einen ersten kleinen Schritt zu gehen. Wir Menschen brauchen oft nur dieses "kleine" Samenkorn des Vertrauens, denn dies trifft bei uns auf sehr fruchtbaren Boden. Wir fühlen uns dann gesehen und geschätzt - als Mensch und mit dem, was wir leisten können. Wenn uns also jemand ver-traut, uns etwas zu-traut, dann fühlen wir uns in unserem Wesenskern angesprochen und sind bereit, etwas zurückzugeben. So kann Schritt für Schritt gegenseitiges Vertrauen wachsen.

Es müssen ja nicht gleich Bergbesteigungen sein - vielleicht magst Du in kleinen Schritten einmal diesen Effekt für Dich testen. Säe in Deinem Umfeld kleine Vertrauenssamenkörner und schaue, was daraus zu wachsen beginnt:

  • Lass' Dir in einem Projekt einmal ein Zwischenergebnis weniger vorlegen und vertraue stattdessen in die Initiative und das Engagement Deiner Mitarbeitenden.
  • Gib' die Urlaubsplanung in die Hände des Teams und vertraue darauf, dass sie die Knackpunkte selbständig und kreativ regeln werden.
  • ...

Oder, oder , oder ... Du findest bestimmt in Deinem Alltag passende Möglichkeiten, Vertrauen zu schenken. Übrigens tut das nicht nur im Business-Kontext gut und wirkt sich sehr gesund auf das Miteinander aus, auch im Privaten wirkt Vorkasse wahre Wunder! Probiere es aus und ernte - ob in der Partnerschaft, in der Erziehung der Kinder oder im Kontakt mit Freunden und Bekannten.

Wir wünschen Dir in diesem Sinne eine vertrauensvolle Zeit.

Herzlichst,
Andrea & Christine

Wir l(i)eben Gesundheit!

Aus dem 2care Blog