Gekonnt Grenzen setzen

Heute, am 5. Juli, ist der Tag des Workoholics. "Wieder so einer dieser Gedenktage", könnte man meinen. Doch in diesem Fall macht es wirklich Sinn, sich dem Thema Arbeitssucht etwas ausführlicher zu widmen. Sie ist, ähnlich wie der Burn Out, keine anerkannte Krankheit mit Diagnoseschlüssel. Und doch ist sie so weit verbreitet, dass es in vielen deutschen Städten mittlerweile sogar Selbsthilfegruppen der „Anonymen Arbeitssüchtigen“ gibt.

Arbeit – Fluch und Segen zugleich?

In unseren Seminaren und Coachings begegnen uns viele Menschen, denen ihr Job überwiegend viel Freude bereitet. Menschen, die Energie daraus ziehen, etwas bewegen zu können und positives Feedback zu bekommen. Menschen, die in ihrem Beruf tatsächlich einen Sinn finden – wohl einer der wesentlichen Faktoren für das eigene Wohlbefinden. (Darüber haben wir übrigens hier schon einmal ausführlicher geschrieben). Dafür die eine oder andere Überstunde zu machen oder für einen begrenzten Zeitraum auch mal richtig „ranzuklotzen“ – dagegen ist wohl nichts einzuwenden.

Vielleicht kennst Du auch das Gefühl, im Flow zu sein. Das Gefühl, in der eigenen Arbeit so richtig aufzugehen. Viele Menschen, die als Selbstständige ihr Herzensbusiness oder als Angestellte ihre Herzensaufgabe gefunden haben, erleben das und sagen dann, dass es sich gar nicht wie Arbeit anfühlt und daher ein durch“gearbeitetes“ Wochenende oder eine durchgearbeitete Nacht gar nicht schlimm sei. Mehr zum Thema Flow findest Du übrigens hier.

Unsere entgrenzten Arbeitsmöglichkeiten unterstützen diesen Trend: für unsere Mitarbeitenden, für den Chef oder die Kunden sind wir eben jederzeit, auch am Wochenende, auch abends erreichbar.

Erfüllende Arbeit oder Sucht?

Wo ist da die Grenze zur Arbeitssucht, wenn die Arbeit so viel Spaß macht? Sie ist wohl fließend und gerade deshalb nicht ganz ohne. Vielleicht findest Du Dich gerade in den Beschreibungen ein wenig wieder und fragst Dich, ob Du auch schon auf dem Weg in die Arbeitssucht bist. Diese Fragen können Dir helfen, Deine eigene und ganz subjektive Einschätzung vorzunehmen:

  • Wie bewusst fällst Du die Entscheidung, wann Du arbeitest und wann nicht? Gibt es für Dich einen bewussten Feierabend, den Moment, wo Du den Rechner runterfährst und die Bürotür hinter Dir schließt?
  • Wie häufig kommt es vor, dass Du deutlich mehr arbeitest als Deine Kollegen? Wie oft bist Du schon im Büro, wenn die Kollegen noch mit ihrer Familie frühstücken oder sitzt Du noch am Schreibtisch, während Deine Kollegen schon im Freibad liegen?
  • Wie ist Deine Haltung zu Pausen? Ist eine Mittagspause ein Zeichen von Schwäche und ausreichend Schlaf nur was für die Generation 60+? Wann hast Du zuletzt wirklich Urlaub, also ganz ohne Blick auf die Mails oder andere berufliche Themen gemacht?
  • Wie gut kannst Du Dich gedanklich von Deiner Arbeit lösen? Redest Du auch privat vielleicht nur noch über Deine Arbeit?
  • Wie gelingt Dir Entspannung? Kommst Du aus Dir heraus in ruhigeres Fahrwasser oder benötigst Du dazu Hilfsmittel, wie Alkohol, Schlaftabletten oder auch Süßigkeiten?

Von der Kraft, NEIN zu sagen!

In diesem fließenden Übergang zwischen freudvollem, engagierten Arbeiten und überfordernder Arbeitssucht ist es umso wichtiger, Grenzen zu setzen. Wenn Du für Dich zu dem Schluss kommst, dass Dein Arbeitspensum zu hoch ist und Du Dir mehr freie Zeit, mehr Pausen, mehr Zeit für Dich, für Deine Familie oder Freunde wünscht, dann laden wir Dich ein, eine bewusste Entscheidung zu treffen und einen neuen Weg zu finden, NEIN zu sagen:

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Sage NEIN zu Mehr

Schneller, höher, weiter. Mein Haus, mein Auto, meine Yacht. Unsere Zeit ist geprägt von Rezepten, wie wir reicher, schöner, begehrenswerter, motivierter oder zufriedener werden. Mit der Folge, dass unsere To-Do-Listen immer länger werden und Zeiten des Nichtstuns gar nicht mehr existieren.

Umso essentieller wird der gute alte Satz: Weniger ist mehr! Entscheide Dich bewusst für ein weniger: weniger Perfektionismus, weniger Arbeitsstunden, weniger Social Media und Du wirst spüren, wie Du ein Mehr gewinnst! Mehr Zeit für die Dinge, die Dir wirklich wichtig sind.

Sage NEIN zu äußeren Erwartungen

Schon als Kind haben wir gelernt, höflich zu sein. Dazu gehörte auch, eher ja als nein zu sagen. Und so kommt uns auch heute als Erwachsene ein Nein schwerer über die Lippen. Noch ein weiteres Projekt übernehmen? Ja, gerne (denn wir fühlen uns geschmeichelt, dass es uns angetragen wird). Einen Kuchen backen für’s Schulfest? Ja, klar (denn wir möchten ja nicht mit einem gekauften Kuchen blöd da stehen). Du findest bestimmt Deine eigenen Beispiele, in denen Du Dich einer – oft nicht ausgesprochenen – Erwartungshaltung beugst und Ja sagst.

Damit Dir künftig einmal mehr ein Nein über die Lippen kommt, beherzige unseren letzten Tipp:

Lerne, ein „gutes NEIN“ zu sagen

Wir meinen damit ein Nein, das sich für Dich und auch für Dein Gegenüber gut anfühlt. Denn wir denken ja oft, dass wir dem anderen vor den Kopf stoßen, wenn wir ablehnen. Dass wir weniger geliebt sind, wenn wir nein sagen.

Ein „gutes Nein“ bietet Alternativen an! Dann lautet die Antwort auf die Projektanfrage z.B. „Ich übernehme dieses Projekt gern, doch lassen Sie uns dazu vereinbaren, welche anderen Aufgaben ich dafür abgeben kann.“ Oder die Bitte um Kuchenspenden erfüllst Du mit frisch gebackenen Streuseltalern Deines Lieblingsbäckers um die Ecke.

Ein „gutes Nein“ ist klar und wertschätzend zugleich. Eine mögliche Antwort wäre z.B. „Ich fühle mich geehrt, dass Sie bei diesem Projekt an mich denken. Doch mein Schreibtisch ist aktuell so voll, dass ich es nicht in der Qualität, die wir beide uns vorstellen, umsetzen könnte.“

Die Kehrseite des Neins

Alles hat ja bekanntlich (mindestens!) zwei Seiten. Und so ist ein Nein zu anderen eben gleichzeitig ein Ja. Ein Ja zu Dir selbst! Ein Ja zu Deinen Bedürfnissen.

Wie gefällt Dir die Vorstellung, durch gesundes Grenzensetzen mehr bei Dir selbst anzukommen? Vielleicht hast Du ja Lust, die bevorstehende Ferien-/Sommerzeit dazu zu nutzen, Dich im Neinsagen zu üben. In Mini-Schritten. Erstmal nur im Kleinen. Um dann Schritt für Schritt Deine klare, wertschätzende Grenze zu ziehen!

Wir verabschieden uns in die Sommerpause und sind im September mit einem frischen Blog wieder da. Bis dahin wünschen wir Dir eine gesunde Zeit!

Herzlichst,
Andrea & Christine

Wir l(i)eben Gesundheit!

Aus dem 2care Blog