Fairness - noch so ein großes Wort?

Heute fallen wir mal mit der Tür ins Haus! Unsere These:

Nur wenn eine Organisation in ihrer Grundstruktur konsequent fair und menschenfreundlich aufgebaut ist, kann echte Wertschätzung erlebbar werden.

Bäääm ... ein mächtiger Satz, gelassen dahin geschrieben! Nun ist "Fairness" ein ähnlich großes Wort wie "Wertschätzung". Was genau ist denn mit Fairness gemeint und wie gelingt es, sie zu leben?

Eine vorsichtige Annäherung

Wir können diesen englischen Begriff, für den es interessanterweise kein deutsches Synonym gibt, auch mit "Redlichkeit", "Gerechtigkeit" oder "Anstand" übersetzen. Wir Menschen kommen alle mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn auf diese Welt. "Das ist uuuunfaiiiiir!" ist wohl einer der Lieblingssätze von Kindern. Im Sport kennen wir den Begriff "Fair Play" und meinen damit regelgerechtes und kameradschafltiches Verhalten. Es gibt das Fairtrade-Siegel für Produkte, deren Inhaltsstoffe aus fairer Produktion stammen und die den weltweit gültigen Fairtrade-Standards entsprechen. Und es gibt den Deutschen Fairness-Preis für Unternehmen, den im letzten Jahr Sina Trinkwalder mit ihrer Firma manomama für ihren fairen Umgang mit Mitarbeitenden, Lieferanten sowie mit Umwelt & Natur gewonnen hat.

Szene 1: Ich erinnere mich, dass mein ältester Bruder, damals vielleicht 12 Jahre alt, eine Packung Gummibärchen, die wir geschenkt bekommen hatten, auf drei Schälchen abzählte und den letzten Gummibär mit einem riesengroßen Messer in drei gleiche Teile sezierte. Operation gelungen - und wir drei Geschwister glücklich!

  • 1. Erkenntnis: Fairness wirkt sich auf alle Beteiligten aus, denn damals waren nicht nur meine Schwester und ich glücklich, den gleichen Anteil bekommen zu haben, sondern gerade auch meinem Bruder gab es ein gutes Gefühl, sich so gerecht verhalten zu haben.

Szene 2: Neulich auf der Kanusport-Regatta zum Saisonabschluss. Zum Ende einer langen Saison ist bekannt, wer wie stark ist und die Ergebnisse lassen sich in etwa vorhersehen. Nun lag ein Sportler, nennen wir ihn David, ganz knapp vor dem Zieleinlauf auf dem zweiten Platz, womit er einen Konkurrenten, nennen wir ihn Noel, deplatzierte, der die ganze Saison deutlich schneller war als er. Und dann das Unfassbare: David kentert, keine 10 m von der Ziellinie entfernt .... so ein Mist. Er ärgerte sich schwarz, dass er diesen für ihn sensationellen Erfolg verbockt hatte. So weit, so gut, shit happens. Doch die Geschichte fand eine Fortsetzung: Noel überreichte nach der Siegerehrung seine Silbermedaille an David mit den Worten "Nimm' sie bitte, ich habe sie heute echt nicht verdient. Du warst ganz klar der Bessere." Wow - so etwas hatte ich noch nicht erlebt. Man muss wissen, dass wir uns im Leistungssport bewegen und Noel zuvor Deutscher Jugend-Meister geworden war.

  • 2. Erkenntnis: Fairness entsteht auf der Basis einer gefühlten Wahrheit und Aufrichtigkeit. Fakt war, dass Noel vor David durchs Ziel kam. Doch gefühlt hat David das bessere Rennen gefahren (zumindest auf 490 von 500 m!).

Szene 3: Die Urlaubsplanung in Teams - ein Klassiker. Da gibt es Menschen mit und ohne Schulkinder, mit "schulpflichtigem" Partner (= Lehrer), Vorlieben für bestimmte Reiseziele, die am besten in Saison xy zu bereisen sind, es gibt diejenigen, die sich jedes Jahr auf's Neue kompromissbereit zeigen und diejenigen, die eher ihre eigenen Interessen im Blick haben. Also eine bunte und mitunter brisante Gemengelage, die emotional oft eine Herausforderung für die Führungskraft darstellt! Wie kann ich nur allen gerecht werden? Eine Aussage, die wir in diesem Zusammenhang in unseren Beratungen häufig hören: "Wie ich es mache, ist es falsch. Egal, wie ich entscheide, irgendjemand ist immer enttäuscht."

  • 3. Erkenntnis: Fairness ist ein sehr bedeutungsvoller Wert für uns Menschen und wir haben eine sensible Antenne, was wir als fair oder unfair erleben. Damit ist ein Fairnessempfinden eben auch höchst individuell. "Gleiches Recht für alle", der Grundsatz, nach dem gern gehandelt wird, ist also nicht immer unbedingt fair!

Fairness als Werteelixier

Wenn wir nun diese drei Erkenntnisse auf den Businesskontext übertragen, wird klar, wie elementar ein faires Miteinander für die Unternehmenskultur und den Unternehmenserfolg ist. Besonders deutlich wird dies dort, wo ein solches Miteinander fehlt: dann fehlt nämlich auch Vertrauen, dann ziehen Menschen sich emotional zurück, es kommt zu erhöhten Fehlzeiten und in letzter Konsequenz führt dies zu Unproduktivität.

Fairness ist also ein Werteelixier - eine Art Zaubertrank für das Gelingen einer menschenfreundlichen, gesunden Arbeitswelt. Womit wir immer noch nicht die Frage beantwortet haben, WIE genau denn nun dieses viel beschworene faire Miteinander WIRKLICH gelingt. Die Herausforderung liegt darin, nicht an der Oberfläche zu bleiben, sondern genau hinzuschauen, inwieweit Fairness im Alltag TATSÄCHLICH das Miteinander bestimmt.

Schauen wir uns bspw. Produktionsbedingungen namhafter Textilketten an, so sind diese in Wirklichkeit nicht immer so fair, wie es durch das Unternehmen öffentlich dargestellt wird. Übrigens hat Sina Trinkwalder ihren Preis u.a. auch dafür bekommen, dass sie sich gegen dieses sog. "Fairness Washing" einsetzt, also den Versuch, Fairness vorzutäuschen statt sie tatsächlich zu leben.

Vom großen Ganzen zu Deiner Welt

Um das Thema für Dich und Deine Lebenswirklichkeit griffiger zu machen, möchten wir Dich gern auf der Basis der 3 o.g. Erkenntnisse mitnehmen auf eine Gedankenreise in eine gesunde & wirklich gerechte, wahrhaftige Arbeitswelt:

  1. Wie wäre es, wenn der Unternehmenserfolg tatsächlich gerecht auf die Menschen aufgeteilt würde? Wenn eben Bonusrunden nicht auf das oberste Management beschränkt sind, sondern alle Menschen, vom Vorstand bis zur Servicekraft, profitieren - und zwar in einem wirklich angemessenen Verhältnis? Wenn auch an der Basis Gehälter gezahlt würden, die den Namen verdienen (Gehalt kommt in "gehaltvoll" vor ...)?
  2. Wie wäre es, wenn Mitarbeitende sich ihre guten Ideen selbst auf die Fahne schreiben dürften, wenn z.B. jemand in einer Sitzung das Wort erhebt und sagt "Entschuldigung, ich möchte da gerade etwas klarstellen - dieser wunderbare Verbesserungsvorschlag stammt nicht aus meiner Feder, sondern von Herrn Müller-Meier-Schmitz. Ich möchte mich nicht mit fremden Federn schmücken!"
  3. Wie wäre es, wenn bei allem Bestreben nach Gleichbehandlung und Gerechtigkeit die Menschen dennoch mit ihren individuellen Bedürfnissen und Lebenssituationen gesehen würden? Wenn weniger Regeln mit der Gießkanne ausgeschüttet und mehr individuelle, menschenfreundliche Vereinbarungen getroffen würden?

Wir sind uns bewusst, dass wir diesmal wirklich große Themen angerissen haben - und freuen uns, wenn wir Dich zum Weiterdenken inspirieren konnten. Abschließend noch ein Gedanke, der uns allen bei der Frage nach dem WIE eines fairen Umgangs leiten darf:

es_ist_nicht_fair-_von_anderen_etwas_zu_

In diesem Sinne wünschen wir Dir eine gesunde Restwoche und ein glückliches, faires Wochenende.

Herzlichst

Andrea & Christine

Wir l(i)eben Gesundheit!

Aus dem 2care Blog