Wandel durch Wertschätzung

Wir haben ja schon häufiger an dieser Stelle darüber geschrieben, dass wir in einer Zeit besonderer Herausforderungen leben. Eine davon ist der Wandel, der sich gerade - in kleinen Schritten spürbar - in Unternehmen und Organisationen vollzieht: ein Wandel weg vom rein zahlenorientierten Denken hin zu einem klaren Fokus auf den Menschen. Weg von purem Gewinnstreben hin zu mehr Sinnhaftigkeit und Menschlichkeit im Arbeitsleben.

Warum dieser Sinneswandel?

Weil Unternehmen erkennnen, dass sie nur mit gesunden, motivierten, arbeits- und leistungsfähigen Menschen nachhaltig wirtschaftlich erfolgreich sein werden! Und dieser Erfolg baut eben auf echter gelebter Wertschätzung! Ein Grund, weshalb immer mehr Menschen - in den Organisationen selbst und in der Gesellschaft - sich für eine menschlichere, wertschätzendere (Arbeits-) Welt einsetzen.

So auch Martina Baehr, die die Blogparade "Wandel durch Wertschätzung" ins Leben gerufen hat, an der wir uns mit diesem Artikel gerne beteiligen.Wenn Du magst, schau mal bei ihr auf dem Blog vorbei, es sind schon einige wirklich wertvolle Impulse zusammengekommen, die das Thema Wertschätzung auf ganz unterschiedliche Weise beleuchten. Danke, liebe Martina, für diese tolle Initiative!

Die Krux mit der Wertschätzung

Ja, Wertschätzung ist ein großes Wort, das gerade sehr in Mode ist. Um so mehr lädt es dazu ein, die vielen verschiedenen Facetten zu beleuchten. Wir Zwei legen heute die Lupe darauf, wie anspruchsvoll es in der beruflichen Praxis ist, wahrhaftige Wertschätzung zu leben. Und zwar oftmals dann, wenn schwierige Botschaften zu transportieren sind. Vermutlich kennst Du das aus Deinem Erleben auch nur zu gut. Uns Menschen fällt es leider meistens dann schwer wertschätzend zu sein, wenn bspw. etwas in der Zusammenarbeit hakt, denn dann hakt es auch oft in der Kommunikation. Wir möchten Dich daher heute inspirieren, wie echte Wertschätzung - besonders in den herausfordernden Situationen - gelingen kann.

Vielleicht hast Du es so oder ähnlich auch schon erlebt:

  • Du bist im Gespräch mit Deinem Chef und fragst Dich, was er Dir eigentlich sagen möchte.
  • Deine Jahresbeurteilung liest sich super, doch Du bist unsicher, welche Botschaften zwischen den Zeilen stecken.
  • Du forderst Feedback ein und hörst freundliche "Allgemeinplätze", die auch auf Deine KollegInnen zutreffen könnten.

In unseren COACHinaren und Beratungen laufen uns diese Themen immer wieder über den Weg. Gerade in Unternehmen, die sich stark machen für eine moderne Unternehmenskultur und einen partnerschaftlichen Umgangston ist mitunter gut gemeint nicht gleich gut gemacht. Sätze wie "Wir pflegen einen wertschätzenden Umgang." oder "Wir geben Feedback wertschätzend und konstruktiv." finden wir dann in Hochglanzbroschüren gedruckt oder als Spielregeln in Besprechungsräumen aufgehangen.

Doch was ist schief gelaufen, wenn diese Wertschätzung bei den Mitarbeitenden nicht ankommt? Aus unserer Erfahrung spielen zwei Faktoren dabei eine entscheidende Rolle:

1. Wertschätzung hat nichts mit Wattewölkchen zu tun

Neulich im Gespräch mit einer Führungkraft, nennen wir ihn Herrn M.: er war unglücklich über das Führungsfeedback seiner Mitarbeitenden. Diese hatten ihm gespiegelt, dass sie mit seinen oft weich gespülten Aussagen nicht viel anfangen können. Tacheles möge er bitte reden, statt Informationen in rosaroten Wattewölkchen zu verschwämmen. Klartext und ehrliche Rückmeldungen sind ihnen wichtig: "Wir möchten ehrlich wissen, wo wir stehen!" war die Zusammenfassung einer Mitarbeitenden. "Aber das geht doch nicht. Als Führungskraft muss ich doch wertschätzend kommunizieren." brachte Herr M. sein Dilemma auf den Punkt.

Wir gingen dem Thema etwas weiter auf den Grund und es stellte sich heraus, dass Herr M. sich einen eher vorsichtigen und "defensiven" Kommunikationsstil angewöhnt hat - aus Sorge, mit ehrlichen Aussagen das Betriebsklima zu verderben und gegen die "Wertschätzungsregel" zu verstoßen. Kritik verpackt er, wenn überhaupt, in vage Worthülsen mit viel Konjunktiv. Für Herrn M. passen Wertschätzung und kritische Äußerungen oder gar Klartext irgendwie nicht zusammen.

Gespräche dieser Art werfen bei den Mitarbeitenden mehr Fragen als Antworten auf. Was möchte mir Herr M. jetzt tatsächlich sagen? Habe ich die Aufgabe wirklich gut gelöst, oder vielleicht doch nicht? Weniger reflektierte Mitarbeitende hören dann nur die positive Aussage und wundern sich später, warum ihnen keine weiterführenden Aufgaben übertragen werden.

Kurzum: das Frustpotential ist riesengroß. Auf beiden Seiten, wie dieses Beispiel zeigt!

2. Nicht auf das WAS, auf das WIE kommt es an

Wir Zwei von 2care meinen: Wahrhaftige Wertschätzung gelingt ganz unabhängig vom Inhalt der Botschaft, denn es kommt gar nicht auf das WAS an. Das WIE ist entscheidend! Wir glauben, dass jede, wirklich jede Botschaft auf wertschätzende Art und Weise kommuniziert werden kann. Und wir sind überzeugt: Kommunikation ist gerade dann wertschätzend, wenn eben auch die Kritik, auch der Sand im Getriebe geäußert wird/ werden darf. Wenn nichts unter den Teppich gekehrt wird, sondern WAHRhaftig und ehrlich alles für beide Seiten sichtbar ist. Das mag zunächst sehr ungewohnt sein und ja, es braucht vorher vielleicht auch die eine oder andere Minute der Vorbereitung. Wir plädieren dafür: traue Dich! Du kannnst sicher sein, dass Dein Gegenüber Deine positive Absicht wahrhaftiger Kommuinikation wahrnimmt. Denn:

Wahrhaftige Wertschätzung kommt von Herzen!

wahrhaftige_kommunikation.jpg?nc=10

Oder, wie wir es auch hier in der Blogparade immer wieder lesen: Wertschätzung ist keine Technik, sondern eine Haltung. Das Entscheidende ist aus unserer Sicht, dass wahrhaftige Wertschätzung tatsächlich Herzen berührt, und zwar das Herz des Senders genauso wie das des Empfängers. Mit dieser inneren Haltung gelingt es dann, auch schwierige Themen so zu kommunizieren, dass sie nicht als "Tacheles" oder "klare Ansage" daherkommen, sondern als wahr(haftig)e Botschaft tatsächlich im Herzen berühren.

Wert - schätzende Kommunikation gelingt,

  • wenn Du Dein Gegenüber spüren lässt, dass Du seinen WERT siehst und schätzt.
  • wenn die Botschaft lautet: Du bist mir als Mensch wichtig und deswegen liegt mir am Herzen zu sagen ...
  • wenn Du auch den Schatz siehst, der im Schwierigen steckt: miteinander im Gespräch zu sein und gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten.

Das Wunderbare daran ist: Menschen, die sich auf diese Weise verstanden und gesehen fühlen, geben ein Vielfaches an Resonanz zurück. Sie sind bereit und trauen sich, sich mit ihrem ganzen Potenzial einzubringen, denn sie wissen: ich kann mich zeigen und auch wenn einmal etwas nicht so gut läuft - ich werde als Mensch geschätzt und kann an meinen "Fehlern" weiter wachsen.

In diesem Sinne wünschen wir Dir viel Erfolg dabei und die dazugehörge Portion Mut, diese wahrhaftig echte und wertschätzende Kommunikation zu leben!

Herzlichst
Christine & Andrea

P.S. Wenn Du noch mehr Interesse am Thema "Wandel durch Wertschätzung" hast, dann empfehlen wir Dir zwei wunderbare Gelegenheiten:

  1. die gleichnamige Gruppe auf Xing
  2. das Barcamp Business zum gleichen Thema, das im nächsten Frühjahr im Bergischen Land stattfindet. Vielleicht sehen wir uns ja dort?

Aus dem 2care Blog