Meine Gedanken sind frei - oder etwa nicht?

In unserem ersten Oktober-Artikel stellten wir das Prinzip der MINDFUCKs vor, mit denen wir uns selbst sabotieren und somit unseren Handlungsspielraum auf ziemlich ungesunde Weise einschränken. Wenn Du magst, kannst Du hier nochmal nachlesen, was sich da alles so in unserem Kopf abspielen kann, wenn wir Gedankenkarussel fahren.

Heute möchten wir daran anschließen und aus den 7 Grundmustern unserer MINDFUCKs zwei weitere unter die Lupe nehmen, von denen wir glauben, dass sie uns besonders häufig gerade im beruflichen Kontext im Wege stehen. Kommen Dir solche Gedanken bekannt vor?

  • "So geht das nicht. Wenn ich das jetzt so mache, dann erklären sie mich für völlig durchgeknallt. Ich höre sie schon reden ..."
  • "Das klappt bestimmt nicht. Die Sowieso hat ja auch schon alles mit einem Blick gesagt."
  • "Wenn ich mich damit selbständig mache, muss ich erst noch diese und diese und diese Fortbildung absolvieren. Sonst glaubt mir ja eh keiner."

Wenn .... dann ... oder wie wir uns selbst und andere unter Druck setzen

Mit dem Gedankenmuster des Druckmacher-MINDFUCKs geht es direkt ans Eingemachte: dieser MINDFUCK gehört zur übelsten Sorte der mentalen Selbstsabotage. Er macht sich innerlich mit der „Wenn-dann-Zange“- bemerkbar: Wenn Du jetzt nicht funktionierst, dann bist Du ein Versager. Oder: Wenn Du in diesem Gespräch nicht endlich zu einer Lösung findest, dann ist Hopfen und Malz verloren. Oder: Wenn Du das heute nicht mehr vor dem Feierabend schaffst, dann kommst Du dem Ganzen morgen nicht mehr nach.

Du kannst die Liste vermutlich um viele weitere Sätze aus Deinem Gedankenset erweitern, denn diese Art von Druckmachen gehört bei uns Menschen leider zu den alltäglichen Selbstgesprächen; es ist eine negative mentale Gewohnheit, die sogar so weit geht, dass sie einen wesentlichen Anteil an einem weit verbreiteten Phänomen unserer Zeit hat: dem Burn-out-Syndrom.

Das Druckmachen betreiben wir also oftmals so lange und intensiv, bis wir mental und/oder körperlich darunter zusammenbrechen. Das Traurige daran ist, dass wir uns manchmal sogar unter Druck setzen, ohne genau zu wissen, warum. Dann wird blinder Aktionismus an den Tag gelegt, wo vielleicht genau das Gegenteil passend wäre. Übrigens: die innere Stimme zu diesem Denkmuster erkennen wir oft an ihrem besonders strengen Ton.

Nehmen wir einmal das o.g. Beispiel der Selbständigkeit: Du hast eine richtig gute Idee, die schon länger in Deiner Phantasie gereift ist; Du spürst, dass Du so richtig in Deinem Element bist, wenn Du über Deine Idee sprichst; Du bekommst sogar tolles Feedback und Ermunterung von Menschen Deines Umfelds. Nur: in Deinem Kopf steckt diese "Wenn-dann-Zange" und Du verknüpfst den Erfolg Deines Vorhabens mit Fortbildungen, die erst noch absolviert werden "müssen". Du setzt Dich also selbst zusätzlich unter Druck, noch mehr lernen zu müssen, anstatt an Deine Fähigkeiten zu glauben und dem Raum zu geben, was Du schon kannst.

Und wie sähe Deine Welt ohne den Druckmacher-MINDFUCK aus?

Wenn es Dir gelingt, den Druck bewusst abzubauen und auf Dich selbst zu vertrauen, könntest Du ohne Angst und mit Energie und Lebensfreude mehr von dem tun, was Dich Deinem Ziel wirklich näher bringt. Auf den Punkt gebracht:

Du ermöglichst Dir neuen Raum, um für Dein Leben wirklich gute Entscheidungen zu treffen - ohne blinden Aktionismus und dafür mit mehr Lebensfreude!

Richtig ... falsch ... gut ... schlecht ... oder wie es (nicht) sein soll

Das zweite Grundmuster, das wir heute für Dich herausgegriffen haben, ist der sog. Bewertungs-MINDFUCK. Ein guter alter Bekannter - hier geht es um den viel geliebten Perfektionismus, um Besserwisserei und notorisches Jammern. Wenn Du Dich in diesem Bewertungsmodus befindest, fährst Du einen ständigen Soll-Ist-Abgleich zwischen Deiner selbst gewählten und/oder gesellschaftlich vermittelten Idealvorstellung und der vermeintlichen Realität.

In diesem Bewertungs-MINDFUCK gefangen zu sein, kann eine wirkliche Qual bedeuten und die eigene Lebensfreude drastisch reduzieren. Grundsätzlich bedeutet es nämlich, dass wir uns mental nicht im Sein, sondern im Sein-Sollen aufhalten. Die Crux an diesem hausgemachten Stress: die Bewertungen stehen nicht annähernd in Relation zur Realität.

Warum haben so viele von uns eine so große Neigung, fortlaufend zu bewerten? Es scheint, als ob wir uns mit dem Bewerten unseren eigenen Wert und unseren Rang in der Welt zuteilen oder eben auch absprechen. Es geht also um unser Selbst-empfinden und unsere Orientierung dafür,

  • welchen Platz wir im Leben haben und
  • welchen Platz wir uns im Leben selbst zugestehen.

Selbstwertprobleme oder die Neigung, sich unter Wert zu verkaufen, resultieren häufig aus der Angewohnheit extrem hohe Maßstäbe an sich und an andere anzulegen und sich dann entweder zu unter- oder überfordern. Das alles soll nicht heißen, dass wir keine Qualitätsansprüche haben sollten. Der Bewertungs-MINDFUCK verwandelt den angemessenen Anspruch jedoch in einen übertriebenen und unangemessenen Akt der Selbstsabotage.

Deine Welt ohne den Bewertungs-MINDFUCK - wie sähe sie aus?

Wenn es Dir gelingt, Dich nach und nach aus der Bewertungsfalle zu lösen und unvoreingenommen auf die Welt zu schauen, stärkst Du Deine Leistungsfähigkeit und Lebensfreude. Das wirkt sich gleichermaßen positiv auf Dein Umfeld aus, denn:

Nichts ist anziehender in einer Welt, in der häufig stark bewertet wird, als jemanden zu treffen, der nicht bewertet. Das schafft Vertrauen und damit die Basis für eine gute Beziehung!

Wie Du an diesen beiden MINDFUCK-Grundmustern siehst, stehen wir uns mitunter gewaltig selbst im Weg. Ja genau - WIR stehen UNS SELBST im Weg! Wir machen es uns selbst damit viel schwerer als nötig. Hast Du auch als Kind das Lied "Die Gedanken sind frei" gesungen? In der zweiten Strophe heißt es "Ich denke, was ich will, und was mich beglücket" und die letzte lautet:

man_kann_ja_im_herzenstets_lachen_und_sc

Was also kann Dich dabei unterstützen, wirklich befreit und ohne Schranken zu denken? Neben dem im letzten Artikel schon erwähnten Bewusstsein für den Gedankenmüll und der Möglichkeit, mit einem "Stop" das Karrussel aufzulösen, haben wir für Dich heute zwei weitere Ideen im Gepäck. Schau mal, ob etwas Passendes für Dich dabei ist:

1. Ins Körpergefühl gehen

Es empfiehlt sich bei destruktiven und störenden Gedanken, die eigene Aufmerksamkeit auf das Körperempfinden zu richten. Das funktioniert deshalb, weil wir nicht dazu in der Lage sind, uns gleichzeitig auf zwei Körpergefühle zu konzentrieren und dabei "einfach" weiterzudenken. Wir können viel, aber das können wir eben glücklicherweise nicht :-)!

2. Die Gedankeninsel .... ich bin dann mal weg ...

Eine eigene Gedankeninsel kann ein wertvoller Retter in der MINDFUCK-Not sein. Wir nutzen damit auf gesunde Art die Macht der Phantasie. Stell Dir vor, Du bist an einem schönen Ort, an den Du Dich gerne zurückziehst und Kraft tanken kannst. Stelle ihn Dir ganz genau und konkret vor, so dass er vor Deinem inneren Auge voll präsent ist. An diesen Ort kannst Du immer dann gehen, wenn Du bestimmte Gedanken loszulassen möchtest. Er gibt Dir neue Energie, die Dich positiv darin unterstützt, die negativen Schwingungen der MINDFUCKs zu ent-stören.

Wir Zwei von 2care wünschen Dir einen gesunden Weg zu (noch) mehr "freien Gedanken", die Dich beflügeln, das zu tun, was DIR und Deinem Herzen wirklich entspricht.

Herzlichst

Christine & Andrea

P.S. Wenn Du Lust hast, Dich einmal auf eine etwas andere Art mit Deinen Gedanken zu beschäftigen, dann bist Du herzlich zu unserem Impuls-Workshop "Gesund & bunt - meine Lebensleinwand" am 7. November 2015 in der Villa Löwenzahn in Oberhausen eingeladen. Hier hast Du die Möglichkeit, das, was Dich ausmacht und was Dich beschäftigt, in eine ganz andere, in eine kreative Form zu bringen (dafür musst Du nicht malen können ... und: ist Dein Gedanke "Hilfe, ich kann nicht malen" vielleicht ein MINDFUCK??). Alle Details zu dieser besonderen und gesunden Auszeit nur für Dich findest Du hier.

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