Als LehrKRAFT gesund zu bleiben heißt, ...

in seiner KRAFT zu sein!

In unserem Blog-Artikel „Lehrergesundheit“ haben wir Dich mitgenommen in die Realität heutiger Lehrerinnen und Lehrer. Vier Lehrerinnen verschiedener Schulformen aus NRW haben uns dafür einen sehr ehrlichen Einblick in die Herausforderungen ihres realen Lehreralltags geschenkt. Dabei ist folgender Zusammenhang deutlich geworden: Lehrergesundheit ist ein individueller Spagat aus inneren Ansprüchen und äußeren Anforderungen & Rahmenbedingungen!

Warum ist das so?

Lehrer/-innen bewegen sich in einem differenzierten Spannungsfeld: so zerren auf der einen Seite innere Kräfte - in Form eigener Erwartungen an die Erfüllung der Lehrtätigkeit – an der/ dem Einzelnen und auf der anderen Seite äußere Rahmenbedingungen - in Form mangelnder Arbeitsbedingungen -, wie z.B. sehr große Klassen (bis zu 33 Schüler), ein extrem hoher Lärmpegel in der Klasse und auf dem Schulhof oder die sog. "Helicopter-Eltern", die den Lehrern eine gesunde Entscheidungsfähigkeit nehmen.

Die Verantwortung für sich selbst neu entdecken!

Um als Lehrer/in gesund durch diesen anspruchsvollen, sich stetig wandelnden Schulalltag zu gehen, ist es essentiell, sich seiner eigenen Handlungsspielräume bewusst zu werden und für diese Verantwortung zu übernehmen. Das bedeutet auch, sich immer wieder zu fragen und zu entscheiden, welche Faktoren ich überhaupt beeinflussen kann (und welche nicht), wohin ich meine Energie gebe (und wohin nicht) und welche meiner eigenen Ressourcen mich auf meinem Weg unterstützen können.

In Ansatz der positiven Psychologie gibt es für die Entwicklung dieses Bewusstseins einen Begriff: Selbstwirksamkeit. Sie impliziert das Wissen und den Glauben daran, dass jeder Mensch mit einem Gesamtpaket von Fähigkeiten ausgestattet ist, um die Herausforderungen des Lebens gesund zu bewältigen. Entscheidend dabei ist: kenne ich all diese Fähigkeiten? Bin ich im Kontakt mit diesen? Kann ich sie aktiv nutzen, um die individuelle Situation für mich stimmig zu meistern?

Wenn Du als Lehrer/in tätig bist (solltest Du andere berufliche Wege gehen, so kannst Du das gerne in einigen Bereichen auch auf Deine Situation übertragen), dann fällt Dir vielleicht auf, wie oft Du einen großen Teil Deiner Kraft für mangelnde äußere Umstände abgibst. Manchmal mehr als nachvollziehbar, denn teilweise werden die Grenzen des Aushaltbaren mehr als überschritten – dann muss gehandelt werden! In vielen anderen Fällen ist es nicht immer so grenzwertig, die Konsequenz jedoch dauerhaft schon, denn die abgegebene Kraft fehlt Dir, um Deinen eigenen Ansprüchen und Bedürfnissen gerecht zu werden: für Erholung/Freizeit zu sorgen, gesund Pause zu machen, etc.. Solange Du in diesem Kreislauf "feststeckst", bist Du wie fremdgesteuert und machst Dich/Dein Wohlbefinden/Deine Gesundheit quasi zu einem (mehr oder weniger großen) Teil von den äußeren Rahmenbedingungen abhängig.

Sei unabhängig - bleibe bei Dir!

Vielleicht kannst Du Dir schon denken, was der gesunde Umkehrschluss ist: anstatt Dich und Deine Energie auf das Außen zu fokussieren, kann es deutlich energiesparender sein, Dir Deiner eigenen Handlungs- und Gestaltungspielräume (wieder) bewusst zu werden und diese konkret zu nutzen – nach dem Motto:

  • Was kann und vor allem will ich beeinflussen?
  • Welche Ansprüche stelle ich an mich? Tun mir diese gut? Passen Sie (noch) zu meiner jetzigen Lebenssituation?
  • Möchte ich etwas verändern? Wer bzw. was kann mir dabei behilflich sein?

Die große Qualität dieses Bewusstseins liegt darin, dass Du in der Auseinandersetzung mit Dir und Deinen Ressourcen neue Handlungsfelder entdecken kannst, die es Dir ermöglichen – auch und vielleicht ganz besonders – in anspruchsvollen Momenten, aktiv zu werden (und nicht „nur“ re-agieren zu „müssen“) und so in Deiner Kraft zu bleiben. Je nach Situation können ganz unterschiedliche Facetten dabei wichtig sein. Stellst Du bspw. fest, dass Du gerade auf dem besten Weg bist, in eine Art „Jammertal“ zu fallen (weil Eltern, Schüler, einfach alles, im Außen furchtbar scheint), dann kann Dir Deine innere Distanzfähigkeit helfen, einen Schritt zurück zu gehen. Vielleicht hilft Dir dabei bspw. das Gespräch (an der Stelle könnte jemand aus einem anderen Berufsfeld wirklich wertvoll sein), um so ein Stück weit aus diesem Gedankenkarussell, das manchmal den Blick auf die eigentliche Situation komplett vernebelt, auszusteigen.

Was zählt: die innere Haltung!

Wenn Du jetzt denkst: „Ach, was soll ich schon bewirken können.“, oder „Egal, was ich auch mache, es ändert eh nichts.“, dann sei an dieser Stelle gesagt: mit dieser inneren Haltung ist auch tatsächlich wenig zu bewegen. Der innere Wille und der Glaube daran, dass Du selbst mit Deinen Ressourcen und Fähigkeiten wirklich in der Lage bist, für Dich & Dein Wohlbefinden zu sorgen, auch wenn widrige Umstände vorhanden sind, ist die Voraussetzung, um a) weiterzulesen und b) tatsächlich gesund durchs Leben zu gehen.

Eine gesunde, selbstwirksame Haltung hat viele Facetten – zu den drei wesentlichen Säulen, die diese besonders prägen, zählen der Optimismus, die Akzeptanz und Lösungsorientierung. Die erste tragende Säule möchten wir heute gerne etwas genauer beleuchten:

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OPTIMISMUS

Für die Bewältigung anspruchsvoller Lebenssituationen brauchen wir Menschen Zuversicht und Hoffnung. Das Vertrauen darauf, dass schwierige Phasen auch wieder vorübergehen, lenkt unseren Blick nach vorne und bringt uns wieder mehr in unsere Kraft. Dabei geht es nicht darum, Dinge schönzureden oder problematische Situationen zu bagatellisieren. Menschen, die mit ihrem sogenannten „realistischen Optimismus“ fest verankert sind, verlieren trotz aller Widrigkeiten nicht den Mut. Sie gehen davon aus, dass sie damit irgendwie fertigwerden und machen sich gleichzeitig bewusst, dass sie ihren Teil dazu beitragen können, dass es besser wird.

Die gute Nachricht: Dieses Wahrnehmungs- und Denkmuster ist uns Menschen nicht per se in die Wiege gelegt, sondern wir lernen und entwickeln dieses im Laufe unseres Lebens. Das heißt also auch: wir können immer neu dazu lernen und unseren Optimismus jeden Tag weiter entwickeln! Diese optimistische Haltung ist uns u.a. auch in den Interviews mit den vier Lehrerinnen begegnet:

"Neue Herausforderungen erlebe ich besonders durch inklusiven Unterricht und Flüchtlingskinder: ich empfinde es bereichernd für die soziale Interaktion und ebenso sind damit hohe Anforderungen an die Lehrkräfte durch eine extrem vielschichtige Planung verbunden. …. Positiv ist, dass man öfter in Doppelbesetzung mit einem Sonderpädagogen zusammenarbeitet, was ich als sehr wertvoll, sowohl für die Kinder als auch für mich, empfinde.“

Etwas Positives in schwierigen Situationen zu entdecken, ist eine Qualität, die uns bei deren Bewältigung wesentlich hilft. Das braucht bei dem einen mehr und bei dem anderen weniger Übung. Was zählt, sie wirkt sich aus!

Übungsideen für Deinen optimistischen Alltag

Wenn Du nun auf den Geschmack gekommen bist und Deinen Optimismus gerne noch weiter ausbilden möchtest, haben wir hier noch ein paar inspirierende Ideen für Dich. Schau, ob etwas Passendes für Dich dabei ist und wenn Du magst, probiere Dich einfach einmal aus:

1. Formulierungen optimistisch (ver-)wandeln

Egal, ob es die inneren Formulierungen/Gedanken oder Äußerungen anderen gegenüber sind. Die Wortwahl macht etwas mit uns: sie hat Kraft und beeinflusst unser Empfinden, dessen was wir erleben. Deshalb kann eine positivere Wortwahl unsere optimistische Haltung nachhaltig stärken:

Vielleicht denkst oder sagst Du manchmal/oft:

  • Diese Aufgabe habe ich ganz gut erledigt.
  • Wenn ich mich sehr anstrenge, kriege ich es vielleicht hin.
  • Sicher bedeutet dieser Termin bei der Schulleitung nichts Gutes.
  • In Prüfungsstunden verkaufe ich mich einfach schlecht. Etc.

Finde für diese Formulierungen Deine optimistische Alternative. Im ersten Fall könnte diese bspw. lauten „Ich bin eine gute Lehrerin/guter Lehrer.“ oder im zweiten Fall „Ich bin begabt und einfallsreich.“

Es kann zu Anfang ungewohnt sein, diese „alte“ innere/äußere Sprache zu verändern. Wenn es Dir zu Beginn etwas schwer fällt, so ist das das beste Zeichen dafür, dass Du auf dem richtigen Weg bist. Schau auf die kleinen Fortschritte, denn sie setzen ganz schön viel Kraft und Energie frei.

2. Lebensfreude ausbauen

Erschaffe Dir eine Umgebung, die Deinen Optimismus fördert. Das können manchmal vermeintliche Kleinigkeiten sein, dennoch wichtige Anker im Alltag. Vielleicht ist es ein Bild auf Deinem Pult im Klassenraum oder im Lehrerzimmer, es kann ein Buch sein, dass Dich heiter stimmt, ein Film, der den Abend fröhlich ausklingen lässt oder beschwingte Musik, die Dich in eine freudige Schwingung bringt.

3. Ansteckungschancen nutzen

Lass` Dich vom Optimismus in Deinem Umfeld "infizieren". Denn eins ist sicher: er steckt an. Suche bewusst Kontakt zu Menschen, die Hoffnung machen und gute Laune verbreiten. So kann sich das Positive potenzieren und bekommt neuen Raum. Und gleichermaßen: halte Dich, wenn möglich, von notorischen "Miesepetern" fern, denn deren schlechte Laune wirkt genauso ansteckend!

Bleibe aktiv - nutze Deine Möglichkeiten!

Wir möchten Dich dafür begeistern, dass Du Deine Möglichkeiten erfgreifst und damit Deine Kräfte aktivierst, damit sie Dich gesund durch die Wogen des heutigen Schulalltags tragen. Damit löst Du vielleicht nicht alles und jedes Problem. Doch Du hast die Chance, leichter und gestärkter die Herausforderungen auszuhalten und damit Dein Wohlbefinden deutlich zu steigern. Und das tut nicht nur Dir, sondern auch Deinem Umfeld gut!

Unsere wichtigste Botschaft lautet heute also: Du allein hast Dein selbstbestimmtes Leben in der Hand - nimm' Dir diesen Handlungs- und Entscheidungsspielraum und fülle ihn mit gesundem Leben!

Dabei wünschen wir Zwei von 2care Dir viel Freude & gutes Gelingen - herzlichst

Andrea & Christine

Aus dem 2care Blog