Optimismus, Akzeptanz & Lösungsorientierung

... das sind die drei tragenden Säulen der inneren Haltung eines selbstwirksamen Menschen!

Am Beispiel des Lehreralltags haben wir im letzten Blog beschrieben, wie der Optimismus Dich darin unterstützen kann, den Spagat zwischen Deinen eigenen Ansprüchen und den äußeren Anforderungen und Rahmenbedingungen gesund zu bewältigen. Wir haben viel positive Resonanz auf diesen Artikel erhalten, gerade auch von Menschen, die nicht als Lehrer/-in tätig sind. Es gibt eben große Schnittmengen, denn auch in anderen Berufen oder Lebenssituationen ist die Kluft oftmals groß zwischen dem, was Du selbst möchtest bzw. Dir als Ziel steckst, und dem, was Dein Außen (er)fordert. Wir haben uns daher entschlossen, das Thema in diesem Blog fortzusetzen.

Heute legen wir die Lupe auf die Akzeptanz und die Lösungsorientierung. Beides ist eng miteinander verbunden und baut wunderbar auf einer optimistischen Haltung auf.

1. Akzeptanz - die Klammer um Deine Lebensthemen

Vielleicht sind Dir auch schon einmal Aussagen wie "Das Leben ist kein Ponyhof" oder "Wir sind hier nicht bei wünsch-dir-was" begegnet. Bei uns im Ruhrgebiet sagt man ganz verkürzt auch gern "Is so!", um auszudrücken, dass das Leben eben so kommt, wie es kommt und man sich am besten "einfach" damit abfindet. Doch ist das wirklich mit Akzeptanz gemeint? So "einfach" ist es ja leider oft nicht, gerade das Schwierige, das Dunkle in unserem Leben zu akzeptieren - egal, ob es bspw. die Krise in meiner Partnerschaft ist oder die Enttäuschung über einen nicht geglückten Karriereschritt. Die in den zitierten Aussagen steckende Haltung hat wohl eher etwas von Fatalismus denn von Akzeptanz.

Was also bedeutet wahrhaftige, echte Akzeptanz?

Das Leben ist bunt, es hält eine lebendige Mischung aus Höhen und Tiefen für uns bereit. Licht und Schatten sind dabei oft zwei Seiten derselben Medaille: es gibt Liebe UND Liebeskummer, Erfolg beinhaltet AUCH Scheitern, aufregende UND langweilige Phasen wechseln sich ab, Gesundheit UND Krankheit gehören zu meinem Leben genauso, wie der Tod Teil meines Lebens ist.

Wir möchten mit unserer Sichtweise sogar noch einen Schritt weitergehen: nur weil es die dunkle, die schwierige Seite gibt, können wir auch das Gute wahrnehmen:

  • Weil wir den Liebeskummer kennen, empfinden wir wahre Liebe.
  • Weil wir die Erfahrung des Scheiterns gemacht haben, finden wir den erfolgreichen Weg.
  • Weil wir das Gefühl von Langeweile kennen, laufen wir zu Hochtouren auf.
  • Weil wir die Erfahrung von Krankheit gemacht haben, nehmen wir unsere Gesundheit als einen Schatz wahr.
  • Und auch: Weil wir um unsere Endlichkeit wissen, spüren wir, was es heißt zu leben.

Wahrhaftige Akzeptanz ist also deutlich mehr, als nur zu sehen, dass das Leben bunt ist. Wahrhaftige Akzeptanz bedeutet auch zu sehen, dass manche Farben nur durch die Mischung mit anderen Farben zustande kommen und dass ich die Vielfalt nur sehe, wenn ich das Ganze betrachte.

Wie kann wahrhaftige Akzeptanz gelingen?

In unseren Coachings hören wir an dieser Stelle manchmal Einwände, wie z.B. "ja, schön, aber dadurch fällt mir meine Trauer (oder Angst, oder, oder) auch nicht leichter". Das bloße Hinsehen und Bewusstmachen der Vielfalt des Lebens ist also nur ein ein erster Schritt. Um mit einem Gefühl von bspw. Trauer dauerhaft gesund zu leben, braucht es einen weiteren wichtigen Schritt: die Integration dieses Gefühls in mein Leben. Integration meint, das Gefühl nicht loswerden zu wollen (irgendwann muss die Trauer doch mal vorbei sein), sondern es als einen Bestandteil meines Lebens zu betrachten, der dazu gehören darf! Genauso wie alles Schöne Teil meines Lebens ist.

Hast Du Lust, Dich auf ein kleines Gedankenspiel einzulassen? Bleiben wir im Beispiel der Trauer, denn dieses Gefühl kennt jede(r) von uns, ob aus Abschieden, Trennungserlebnissen oder tatsächlich Erfahrungen mit dem Tod im näheren Umfeld. Tatsächlich kannst Du aber auch jedes andere Gefühl nehmen, das Dein Leben im Moment beschwert. Nun stell' Dir dieses Gefühl als eine Person vor und lade sie bspw. auf einen Spaziergang ein:"Hallo liebe Trauer, schön, dass du da bist, lass' uns gemeinsam ein paar Schritte gehen". Und dann könnt ihr ins Gespräch kommen. Darüber, wie es Dir mit der Trauer geht. Vielleicht hat sie ja Antworten, wie es ihr bei Dir geht. Oder darüber was die Trauer Dir zeigen möchte. Oder auch, was sich in Deinem Leben verändert hat, seit die Trauer da ist. Und vielleicht kannst Du ja sogar etwas mit Deiner Trauer verabreden, wie z.B.: "Du darfst gern in meinem Leben sein, aber manchmal finde ich dich echt anstrengend und dann wünsche ich mir, dass du auf der Bank Platz nimmst und einfach mal die Klappe hältst".

Auf diese Weise signalisierst Du den herausfordernden Gefühlen in Deinem Leben, dass sie sein dürfen, und findest einen versöhnlichen Umgang mit ihnen. Du schließt also innerlich Frieden mit ihnen. Wenn es auch auf den ersten Blick erstaunlich klingen mag: diese fürsorgliche Annahme und Integration strahlt ganz viel positive Energie aus. Und anders herum fordert das Verbannen oder Ignorieren dieser Gefühle Dir oft so viel Kraft ab, die Dir dann für das Erleben anderer wichtiger Lebenssituationen fehlt.

Akzeptanz ist im Sinne der Integration die einrahmende Klammer, die all' Deine Themen und damit verbundenen Gefühle - die leichten und die schweren - zusammenhält und für Stabilität sorgt. Eine Qualität, die Dich gerade auch in herausfordernden beruflichen Situationen trägt.

2. Lösungsorientierung - der gesunde Blick nach vorn

Kommen wir zur dritten Säule der selbstwirksamen Haltung: die Lösungsorientierung. Vielleicht kennst Du aus Deinem beruflichen Umfeld auch Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen oder endlose Meetings, die gefühlte Stunden damit verbringen, das Problem zu wälzen und bis ins letzte Detail zu analysieren. Und vielleicht hast Du auch schon einmal gespürt, wieviel Energie Dich solche Diskussionen kosten. Im Coaching sprechen wir von der sog. "Problemtrance", in die wir manchmal geraten, wenn wir immer und immer wieder mit unseren Gedanken um das Problem kreisen und den Ausweg nicht finden.

Das Gegenstück, die Lösungsorientierung hat ganz viel mit der Brille zu tun, durch die ich meine Welt betrachte und bewerte: ist mein Glas eher halb voll oder halb leer? Dazu möchten wir Dir eine Fabel erzählen:

Der Fabeldichter Aesop saß eines Tages am Rand der Straße nach Athen, als ein Reisender fragte: "Welche Art von Leuten lebt denn in Athen?" Aesop entgegnete: "Sagt mir erst, woher ihr kommt und was dort für Leute leben." Stirnrunzelnd sagte der Mann: "Ich komme von Argos. Die Menschen dort taugen nichts, sie sind Lügner, Diebe, ungerecht und streitsüchtig. Ich war froh, von dort wegzukommen." "Wie schade", antwortete Aesop, "dass ihr in Athen nicht anderes finden werdet."
Gleich darauf kam ein anderer Reisender vorüber und stellte dieselbe Frage, und als Aesop sich auch bei ihm nach seiner Herkunft und den Bewohnern der Stadt erkundigte, meinte dieser: "Ich komme von Argos, wo alle Menschen freundlich, ehrbar und wahrhaftig sind. Ich habe sie ungern verlassen." Da lächelte Aesop und sagte: "Freund, ich freue mich, dass ich euch sagen kann: ihr werdet sehen, dass die Menschen in Athen ganz genauso sind."

Die Fabel zeigt, wie der Blick durch unterschiedliche Brillen die Wahrnehmung steuert. Problemorientierung schaut zurück, sie verharrt im Gestern. Die Qualität der Lösungsorientierung liegt im Blick nach vorn: je besser es Dir gelingt, Deinen Blick

  • auf das zu richten, was gut läuft, anstatt auf das, was nicht funktioniert,
  • dorthin zu richten, wie es besser laufen könnte, anstatt die Schuldfrage zu stellen,
  • auf Möglichkeiten zu erweitern, anstatt das Sichtfeld einzugrenzen,

desto mehr schaust Du in Richtung Lösung. Die Kraft, die darin steckt, kannst Du Dir vorstellen, wie einen Schneeball, der immer weiter rollt und stärker wird.

Das große Potenzial der Lösungsorientierung steckt in ihrer Blickrichtung: sie lenkt Deine Energie in eine gesunde Richtung!

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Das war sie nun, unsere kleine Reise zu den Schätzen der Selbstwirksamkeit, mithilfe derer Du Dich selbst (-wirksam), unabhängig und gesund durch die verschiedenen Situationen Deines Lebensalltags navigieren kannst.

Herzlichst
Die Zwei von 2care

Wir l(i)eben Gesundheit!

Aus dem 2care Blog