Achtsamkeit ist Übungssache

Was Du als allererstes zum Thema "achtsame Lebenspraxis" wissen solltest: wir Menschen können die eigene Achtsamkeit ein Leben lang ausbauen und intensivieren - es ist also nie zu spät anzufangen! Dabei spielen zwei wesentliche Erfolgsfaktoren, eine ganz entscheidende Rolle und diese stellen wir Dir jetzt genauer vor.

Erfolgsfaktor 1: Achtsamkeit ist wie ein Muskel

Sie ist also eine Fähigkeit, die wir Menschen, wie jede andere Fähigkeit auch, durch Übung (weiter) entwickeln können. So wird unser Achtsamkeitsmuskel durch regelmäßigen Gebrauch sowohl kräftiger als auch geschmeidiger und beweglicher. Und wie wir wissen, lebt ein wirksames Training ja durchaus vom Umgang mit einem gewissen Widerstand. Diesen liefert uns das Leben quasi gratis dazu: unser Körper, unser Geist und der Stress dem wir täglich ausgesetzt sind, versorgen uns in dieser Hinsicht mit ausreichend Widerständen, mit denen wir „trainieren“ können… Aber wie? Noch eine gute Botschaft: es braucht für ein aktives Training neben diesen alltäglichen Widerständen gar nicht viel - im Gegenteil:

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Vielleicht denkst Du gerade beim Lesen: „Ach, das kommt mir irgendwie bekannt vor… aber anders." Dann erinnert Dich die Überschrift vielleicht an das Sprichwort „Sitz nicht nur rum, tu endlich was!“. Eine Aussage, die uns vielleicht - so oder so ähnlich - seit Kindheitstagen bekannt ist und sich vielleicht ganz heimlich zu einer Art Glaubensmuster in unserer Gedankenwelt manifestiert hat.

Zeit für Auf- und Umbruch! Wir drehen den Satz einfach um. Genau das tut auch die achtsame Praxis: sie lebt zu einem großen Teil von der Achtsamkeits-Meditation. Wurde vor vielen Jahren die Meditation noch in eine ausschließlich religiöse oder esoterische Ecke gedrängt, so hat sich dieses Vorurteil mehr als überholt. Seit etlichen Jahren ist sie glücklicherweise auch in der Alltagswelt angekommen, denn sie gilt nachgewiesenermaßen als ein Entspannungsverfahren von hoher Wirksamkeit.

Warum ist Meditation so gesund und wirkungsvoll?

Antworten finden wir dazu u.a. in der Hirnforschung. Dort wird Meditation in erster Linie als ein mentales Training verstanden, um die Selbstwahrnehmung und die Selbstregulation zu verbessern, denn durch Meditation trainieren wir unser Nervensystem. Der Hippocampus – die zentrale Region im Gehirn, die das Empfinden von Stress steuert – verändert sich massiv bei regelmäßiger Meditationspraxis. So haben einschlägige Längsstudien bewiesen, dass sich bspw. bereits nach einem 8-wöchigen Training (bei täglicher Meditationspraxis von bspw. 30 – 45 min) die graue Substanz im Hippocampus signifikant verdichtet. Eine Struktur, die umgekehrt bei Dauerstress, durch einen hohen Cortisolspiegel im Blut dauerhaft geschädigt werden kann.

Wir tun also, in dem wir einfach mal nichts tun, enorm viel dafür, uns selbst wahrzunehmen und uns selbst mit unseren Gefühlen, Gedanken zu regulieren. Damit sorgen wir dafür, dass wir unsere KURVENKOMPETENZ – also das gesunde Durchschreiten der Täler und das Wahrnehmen der persönlichen Gipfelerfahrungen unseres Lebens – weiterentwickeln. Genau diese Entwicklung der Kurvenkompetenz stärkt uns und hält uns Menschen dauerhaft auf vielen Ebenen gesund!

Erfolgsfaktor 2: Achtsamkeit ist Einstellungssache!

Wenn Du jetzt loslegen möchtest und sagst: „Alles klar, auf geht´s mit der Meditation“, dann haben wir hier vorab noch einen kleinen, aber feinen Hinweis für Dich:
die positive Wirkung der Achtsamkeitsmediation und der achstamen Lebenspraxis wird ganz erheblich von unserer inneren Einstellung beeinflusst. Das starre Befolgen von Rezepten und Anweisungen reicht nicht aus, damit sich die heilende, gesunde Kraft entfalten kann. Jon Kabat-Zinn - der Begründer des mittlerweile weltberühmten MBSR - Achtsamkeitstrainings (Mindfulness-Based Stress Reduction) - hat dazu die sieben Säulen der inneren Einstellung als elementare Grundlage der Achtsamkeitspraxis aufgemacht:

Nicht-Urteilen, Geduld, Anfängergeist, Vertrauen, Nicht-Erzwingen, Akzeptanz, Loslassen.

Alle sieben Achtsamkeitsqualitäten tragen in ihrer Gesamtheit zu einer offenen und konstruktiven Haltung sich selbst und dem Leben gegenüber bei. So schulen wir uns über die innere Haltung der achtsamen Lebenspraxis darin, uns selbst in jedem Moment wohlwollend zu begegnen.

Auf die ersten beiden Grundhaltungen möchten wir an dieser Stelle gerne einen genaueren Blick werfen, denn diese hindern uns ganz gerne einmal daran, JETZT zu sein.

Nicht-Urteilen

Wie das Wort schon sagt, liegt hier die Qualität darin, sich selbst gegenüber eine neutrale, urteilsfreie Position einzunehmen. Dabei kann uns die Rolle eines neutralen inneren Beobachters untertützen. Dieser tut nichts anderes, als zu beobachten was geschieht, einschließlich unserer Reaktionen darauf. Wenn unser Geist also einmal wieder dabei ist Urteile zu fällen, so geht es nicht darum, diese zu stoppen. Nein, es geht vielmehr darum, sich dessen bewusst zu werden und in diesem Moment zu erkennen, dass dies geschieht und dann NICHT darüber zu urteilen, im Sinne von „Oh nein, schon wieder im Bewertungsmodus unterwegs“, sondern EINFACH WAHRNEHMEN, WAS IN DIESEM AUGENBLICK GESCHIEHT!

Kleine Praxisübung für den Alltag: Nehme Dir am Tag immer wieder in paar Minuten Zeit, um Dir Deiner Urteile bewusst zu werden, betrachte Sie, als ob Sie auf einem Silbertablett lägen. Es braucht dabei kein Sortieren oder Wegschieben dieser Wahrnehmungen – einfach nur aufmerksam beobachten – ohne zu bewerten! So trainierst Du zum einen Deine Wahrnehmung, wann und wie Du in Deinem Bewertungsmodus unterwegs bist und zum anderen kannst Du den inneren Beobachter schulen.

Geduld

Ja, die liebe Geduld. Diese Achtsamkeitsqualität hat es in sich, denn in unserer so schnelllebigen Zeit sind wir es gewohnt, dass die Dinge zack, zack gehen und uns sekündlich neue Informationen zur Verfügung stehen. Ist das jedoch das gesunde Tempo, um das eigene Leben gegenwärtig wahrzunehmen? Uns fehlt heute oftmals die Verbindung zu dieser Qualität. Umso wichtiger, den Kontakt wieder aufzunehmen: geduldig sein mit uns selbst und mit den anderen ist eine wesentliche Säule der achtsamen Lebenspraxis, denn: ALLES HAT UND BRAUCHT SEINE ZEIT, BIS ES SICH ENTFALTEN KANN.
Die Natur macht es uns an unzähligen Beispielen vor – sie nimmt sich im Winter ihre Zeit zur Regeneration, um im Frühjahr aus voller Kraft neu zu erblühen.

Kleine Praxisübung für den Alltag: werde Dir Deiner Ungeduld im Alltag bewusst. Immer wenn Du Signale des Körpers wahrnimmst (Trommeln mit den Fingern) oder Kommentare im Geist („Jetzt mach doch mal hinne…“), dann halte kurz an und frage Dich:

  • Warum bin ich grad so in Eile?
  • Was möchte ich beschleunigen oder in Gang bringen?

Sei dabei aufmerksam, welche Antworten auftauchen und nimm diese einfach wahr! Außerdem hilft es, immer wenn die Ungeduld merklich um die Ecke biegt, sich über das Atmen in den gegenwärtigen Augenblick fallen zu lassen – dazu einfach dreimal durch die Nase tief ein- und ausatmen!

Viel Freude beim Experimentieren und viele Momente der wachen Aufmerksamkeit!

Achtsame Grüße
Die Zwei von 2care

Wir l(i)eben Gesundheit!

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