Kein Hokuspokus – Präsenz macht`s möglich!

Achtsam miteinander umgehen, aufmerksam sein, das Gegenüber wahrnehmen - eine wichtige Grundlage für eine erfolgreiche Zusammenarbeit; ob im eigenen Büro, in der Firma oder in der Schule, mit Kollegen, Kunden oder Schülern. Was wir dazu brauchen? Eine achtsame Kommunikation. Und die lebt glücklicherweise weder von Hokuspokus, noch ist sie eine Kunst, die nur wenige erlernen können.
Wie Du Deinen Weg zu einer achtsamen Kommunikation ausbauen kannst, dazu findest Du heute einige inspirierende Informationen - los geht´s!

Hand aufs Herz: wie oft ertappst Du Dich dabei, dass ein/e Kollege/-in Dich um Dein Ohr fragt und Du sagst „Ja, klar, ich höre Dir gerne zu“, um dann in der Situation festzustellen, dass Du in Gedanken immer wieder abschweifst? Während er/sie von den eigenen Erlebnissen oder Sorgen berichtet, liegt Dir vielleicht schon eine Reaktion auf der Zunge oder Du denkst plötzlich an eine Deiner Erfahrungen zurück oder an den Feierabend und was Du diesbezüglich noch erledigen möchtest. Du bist also mit Deiner Aufmerksamkeit/ Deinem Ohr nicht wirklich beim Gegenüber, sondern bei Dir und Deinen Gedanken. Oder ein anderes Beispiel: Du sitzt in der wöchentlichen Teambesprechung und gerade entwickelt sich eine Diskussion zu einem bestimmten Thema. Wie oft nimmst Du dann an Dir und ggf. auch an anderen wahr, wie wenig sich die Beteiligten einander zuhören und damit wirklich ausreden lassen, sondern vielmehr darauf bedacht sind, ihren eigenen Beitrag hineinzugeben?

Achtsam miteinander sein, lebt von

(D)einem aufmerksamen und intensiven Zuhören! Ohne sofort zu bewerten, ohne direkt innerlich oder äußerlich zu kommentieren. Pures Zuhören, mit einer Offenheit, Neugier und Präsenz, die Du von Dir vielleicht aus Kindertagen kennst.

Erinnerst Du Dich daran wie es war, als Dir Deine Großeltern oder Eltern eine Geschichte aus ihrem Leben erzählt haben? Als die Erzählung begann waren Deine Ohren gespitzt bis in die letzte Ecke. Du hast aufmerksam jedes Wort aufgesogen, bis die Geschichte beendet war. Und dann? Was hast Du danach gemacht? Vielleicht hast Du in vielen Fällen noch einmal nachgehakt und wolltest alles ganz genau wissen: „Oma, Du hast gerade gesagt, …. . Wie genau kam es dazu?“ oder ähnliches. Du brauchtest Dir keine Notizen machen, um wiederzugeben, worauf sich Deine Frage bezieht, denn Du warst ganz Ohr – mit Deiner vollen Aufmerksamkeit warst Du bei den Worten Deines Gegenübers. Und wenn Du Deine Großeltern oder Eltern heute fragst, was sie in diesen Situationen empfunden haben und wie sie Dich (vielleicht auch im Gegensatz zu heute) erlebt haben, dann antworten sie vielleicht, dass es eine besondere Freude war, Dir etwas zu erzählen, weil Du ‚einfach‘ zugehört und alles wie ein Schwamm aufgesogen hast.

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Achtsam zuhören kann jeder!

Ja, wirklich jeder! Es ist keine Technik, die wir in Kindheitstagen erlernen mussten, sondern diese Fähigkeit ist ein natürlich menschliches Talent. Doch wo ist es hin? Viele Menschen unserer heutigen Zeit haben sich diese Fähigkeit über die Jahre – durchaus erfolgreich – abtrainiert (ganz ähnlich wie im letzten Artikel das Fokussieren auf die eine Tätigkeit). Aus dem Antrieb heraus ein möglichst effektives Gespräch zu führen á la „Da muss doch etwas bei herumkommen“, hören wir oftmals nicht wirklich zu, sondern neigen dazu, dem anderen gerne auch ungefragt einen Tipp mit auf den Weg zu geben, vorschnell von unserem Erlebten zu berichten oder ungeduldig zu werden. Doch genau darin – im wirklichen Zuhören – liegt der Schlüssel zu einem gesunden Miteinander.

Es geht darum, das Gegenüber verstehen zu wollen! Und das setzt voraus, dass wir wahrnehmen, was das Gegenüber in der Situation tatsächlich braucht. Und das wiederum gelingt uns nicht durch hellseherische Fähigkeiten, sondern durch intensives und aufmerksames Zuhören. Denn genau dann kann Kommunikation ihre wohltuende Kraft entfalten – ihre Effektivität für ein gutes Miteinander. Genau dann sind vielleicht 5 Minuten achtsamen Zuhörens gehaltvoller, als ein 30-minütiger Dialog. Und genau dann kann bspw. eine anschließende Frage dem anderen wirklich nützen etc. Vielleicht gehen Dir gerade beim Lesen einige Situationen durch den Kopf und Dir fällt auf, dass dieses ‚einfach nur zuhören‘ in der Praxis manchmal anspruchsvoller ist, als es klingt. Was steht uns dabei im Weg?

Zuhören ist vor allem eins: Kopfsache!

Und da ist es wieder: unser inneres Gedankenkino. Wir sind Meister darin, es auf Hochtouren laufen zu lassen, dann liefert es uns neue Ideen, Impulse usw.. Und das kann in unserem Leben manchmal sehr hilfreich sein, doch in gewissen Situationen brauchen wir etwas anderes: statt Kopfkino ist dann mentale Ruhe angesagt. Ein achtsamer Umgang mit dem eigenen Geist hilft uns also, diesen zu beruhigen. Und genau dieser ermöglicht uns, uns wieder voll und ganz auf ein Gespräch zu fokussieren und tatsächlich zuzuhören.

Die gute Botschaft an dieser Stelle lautet: genauso, wie Du Dir Dein Zuhören (oftmals unbewusst) abtrainiert hast, kannst Du es Dir wieder bewusst antrainieren! Stelle es Dir vor wie eine Art mentales Muskelaufbautraining, das Du nach einer Pause nun wieder aktivierst. Dazu ist unser Körper bekanntlich ja mit einem wundervollen Erinnerungsappart ausgestattet: was er einmal trainiert hat, daran erinnert er sich bei regelmäßiger Übung relativ schnell wieder und kann diesen Bereich dann gut rekonstruieren.

Wenn Du Lust hast, Dein natürliches Talent wieder ans Tageslicht zu befördern, dann findest Du hier Ideen, die Dich einladen, Dein aufmerksames Zuhören und damit Deine Kommunikation für ein achtsames Miteinander wieder zu entfalten:

Achtsam Atmen

Es klingt vielleicht zunächst ungewöhnlich, wenn wir über Kommunikation sprechen mit dem Atmen zu beginnen. Doch genau damit gehst Du den 1. entscheidenden Schritt. Durch das achtsame, bewusste Atmen entspannen sich Körper und Geist. Und wenn wir entspannt sind und uns gut fühlen, können wir uns auch wesentlich leichter auf das Gegenüber einlassen.

Lenke dazu, bevor Du bspw. in ein Gespräch, in eine Sitzung oder ans Telefon gehst oder auch wenn Du eine E-Mail beantworten möchtest, Deine Aufmerksamkeit ganz bewusst auf Deinen Atem und nehme zwei bis fünf tiefe Atemzüge. Nehme dazu wahr, wie bei jedem Einatmen Luft durch die Nase einströmt und dabei sich die Bauchdecke hebt und wie die Luft beim Ausatmen durch den leicht geöffneten Mund wieder ausströmt (gerne kannst Du dabei, wenn möglich, auch Deine Augen schließen und Deine Hände auf Deine Bauchdecke legen). Diese Übung ist so effektiv wie simpel, denn nichts bringt Dich so schnell in die Gegenwärtigkeit, wie Dein Atem. Und: gegenwärtig sein beruhigt unseren Körper und Geist!

Mit einer Begrüßung den Boden bereiten

Wie kommst Du an Deinen Arbeitsplatz? Lächelst Du, wenn Dir jemand begegnet oder grüßt Du ihn/ sie? Die ersten Minuten sind oft entscheidend für die Stimmung des ganzen Arbeitstages. Vielleicht hält Dich manchmal Dein Gedankenkarussell davon ab, die anderen um Dich herum wahr zu nehmen: Du bist in Gedanken bereits beim gleich anstehenden Meeting oder ähnliches. Um Dich zu fokussieren, kannst Du den Weg zur Arbeit als Anker nutzen, in dem Du achtsam atmest. Vielleicht wird es sogar eine Art Ritual, das Dir – je häufiger Du es zelebrierst - immer mehr Kraft und Halt gibt. Und je öfter Du Deinen Weg achtsam gestaltest, je klarer wird Dein Geist, mit dem Du an Deinem Arbeitsplatz ankommst.

Besprechungen achtsam beginnen

In der Regel führt unsere Art, bei Arbeitsbesprechungen zu kommunizieren, oft zu Anspannung, Stress oder Konflikten. Geht Dir das auch so? Ein Grund dafür mag sein, dass viele von uns oft von Termin zu Termin hetzen und somit bereits unruhig oder zerstreut und damit eben alles andere als entspannt und fokussiert ankommen.

Daher ist es hilfreich, zum Beispiel am Anfang einer jeden Besprechung, ein paar Minuten (3-5) für ein stilles gemeinsames Sitzen einzuplanen, damit jede/r für sich ankommen kann, sich sammeln kann, sich fokussieren kann. In manchen Unternehmen, die ein achtsames Miteinander leben, erklingt bspw. zu Beginn eines jeden Meetings ein Gong, der daran erinnert, zu seinem Atem zurückzufinden und zur Ruhe zu kommen. Nach dieser Zeit der Stille startet dann das Meeting mit neuer Fokussierung.

Vielleicht denkst Du jetzt „Gong – gute Idee, doch so weit sind wir in unserem Team noch nicht“, dann sorge für Deine innere Fokussierung und Deine ganz persönliche Zeit der Stille, in dem Du einfach ein wenig früher im Besprechungsraum erscheinst, Dich entspannst und auf Deinen Atem konzentrierst. Das musst Du den anderen weder sagen noch erklären. Tue es einfach und erfreue Dich am Nutzen dieser Übung. Und vielleicht kannst Du Dir dann auch vornehmen, in dem Meeting achtsames Zuhören zu praktizieren und die anderen wirklich ausreden zu lassen, ohne sie zu unterbrechen.

Jeder Schritt tut gut!

Wie auch immer Dein Weg des achtsamen Zuhörens, des achtsamen Miteinanders aussieht: nehme jeden Deiner Schritte bewusst und achtsam wahr. Es gibt dabei kein richtiges oder falsches Tempo – es gibt nur DEIN Tempo! Und wann immer Du daran denkst, bewusst zu atmen, bevor Du (auf welchem Kanal auch immer) mit jemandem kommunizierst, umso mehr schulst Du Deine Achtsamkeit. Und davon profitierst nicht nur Du selbst, sondern auch Dein Umfeld:-).

Viel Freude beim Trainieren wünschen Dir
Andrea & Christine

Wir l(i)eben Gesundheit!

P.S.: Und solltest Du die Möglichkeit haben, so frage sie doch einfach einmal, Deine Eltern oder Großeltern, wie das damals war und höre zu, was sie Dir antworten;-).

Aus dem 2care Blog