Achtsames Monotasking

Kommt Dir das bekannt vor? Hier eine Mail beantworten, da ein Blick in die LinkedIn-Timeline, parallel noch der Anruf eines Kollegen, einer Freundin oder eines Deiner Kinder und bis zum nächsten Projektmeeting schnell noch ins Brötchen beißen? Und wünschst Du Dir auch öfter Raum zum Durchtamen, um erst das eine und dann das andere zu erledigen? Um endlich wieder mit Deiner Aufmerksamkeit ganz bei einer Sache zu sein? … und das mit einem wirklich guten Gefühl und dem Wissen darum, dass Du genau dann höchst effektiv und leistungsfähig bist?

Willkommen im Jetzt!

Immer mehr Menschen sehnen sich danach, sich wieder ganz und gar EINER Sache zu widmen und ihre Aufmerksamkeit genau auf diese zu fokussieren. Warum ist das so? Die Antwort liegt auf der Hand und vielleicht erahnst Du sie schon: wir haben uns diese Fähigkeit in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich "abtrainiert" und nun bemerken wir, dass uns etwas Wichtiges fehlt. Das Stichwort dazu: Multitasking!

Woher kommt dieser Mythos 'Multitasking sei DIE Lösung und mache uns Menschen noch leistungsfähiger?' Komm' dazu mit auf einen kleinen Ausflug in die Computerwelt, denn dort treffen wir auf die einzigen und tatsächlich funktionierenden Multitasker unserer Zeit: die Computer und deren Betriebssysteme. Sie sind es, die mehrere Tasks (Tätigkeiten) dauerhaft und gleichzeitig mit voller Aufmerksamkeit erledigen können.

Wir Menschen haben uns diese Computerwelt zum Vorbild unserer Arbeits- und Lebenswelt gemacht. Wir arbeiten seit fast 25 Jahren daran, gleichzeitig unsere Aufmerksamkeit auf mehrere Tätigkeiten zu verteilen, um so noch effektiver, produktiver und kreativer zu sein. Doch gelingen tut uns das bis heute nicht. Im Gegenteil! Es macht viele auf Dauer krank. Wir sind fehleranfälliger und damit ineffizienter. Den Grund dafür finden wir in der Struktur unseres Gehirns, das von seiner Anlage her nicht auf ein ständiges Hin- und Herspringen zwischen mehreren Tätigkeiten ausgerichtet ist. Es gibt nur einige wenige Situationen, in denen unser Gehirn nahezu Multitasking-Qualitäten zeigt - und zwar genau dann, wenn wir Aufgaben, die unsere volle Aufmerksamkeit erfordern mit hochgradig automatisierten Tätigkeiten verbinden:

  • Wir können zum Beispiel beim Spazierengehen im Park gleichzeitig einem intensiven Gespräch folgen - das sollten wir während des Autofahrens jedoch lieber vermeiden.
  • Oder wir können beim Joggen im Wald gedanklich die Einkaufsliste schreiben.

Endscheidend ist nun die Frage: Was machen wir mit all den anderen Situationen in unserem Lebens- bzw. Arbeitsalltag? Wie kann es uns gelingen in einem Arbeitsumfeld, das auch heute noch in vielen Fällen auf Multitasking ausgerichtet ist – effektiv und leistungsfähig zu sein & zu bleiben?

Achtsames Zeitmanagment?

Ja, das geht. Nacheinander! Die Antwort klingt vielleicht so simpel, wie anspruchsvoll zugleich: Eins nach dem anderen. Wir möchten Dich ermutigen, Deine Zeit und Dich selbst achtsamer zu managen und die Qualität dieser völligen Fokussierung auf die EINE Tätigkeit wieder für Dich zu entdecken: wenn Du eine Mail schreibst, dann schreibst Du diese eine Mail. Wenn Du telefonierst, dann telefonierst Du mit dieser einen Person, wenn Du ein Brötchen isst, dann isst Du genau dieses mit vollem Fokus- mit allen Sinnen. Keine zusätzliche Ablenkung, nur diese EINE Sache!

Wir Menschen wollen erfolgreich sein, wollen das, was wir tun, mit Zufriedenheit erledigen und ein gutes Ergebnis erzielen. Unser Erfolgsgarant dafür ist unsere Aufmerksamkeit! Und das heißt: unser Tun braucht unsere volle Konzentration und Fokussierung. Diese erreichen wir, in dem wir gesund priorisieren und achtsam wahrnehmen: Was ist jetzt wirklich wichtig? Was braucht genau jetzt meine volle Aufmerksamkeit? Was kann warten und ist als nächstes dran?

Achtsames Wahrnehmen ist der innere Schlüssel! Er öffnet uns die Tür zur inneren Ordnung und durch diese wird Reihenfolge wieder möglich. Wenn wir über Achtsamkeit sprechen, dann weißt Du vielleicht, dass sie eine Fähigkeit ist, die wir Menschen ein Leben lang weiterentwickeln und trainieren können. Das heißt, Du kannst jederzeit anfangen bzw. weitermachen, denn:

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Die Übung macht`s

Falls Du nun auf den Geschmack gekommen bist, Dein Zeitmangement achtsamer zu gestalten und damit Dein MONOTASKING zu verfeinern, hier ein paar Experimentier-Impulse für Dich.

1. Experiment: Stelle Dir die 1- Minuten Frage.

Unseren Stress verursachen wir oft selbst - mit unseren Gedanken. Wir denken, was wir noch alles erledigen müssen, schauen parallel auf die Uhr, denken dann, wie das alles noch in den Tag passen soll usw. Dieser Gedankenwust hält uns davon ab, eins nach dem anderen zu erledigen (denn dafür haben wir ja keine Zeit;-)). Also am besten: nichts wie raus aus diesem Gedankenkarussel. Und dabei hilft Dir eine ganz simple Übung: Sobald Du feststellst, dass Dein Karussell auf Hochtouren läuft, stelle Dir die Frage "Und was ist JETZT?". Schaue Dich zur Beantwortung in Deiner Umgebung genau um: Was siehst Du? Was hörst Du? Was riechst Du? Nimm all' das aufmerksam wahr - 1 Minute lang und nimm' wahr, was passiert. Diese Minute unterbricht Dein Karussell und bringt Dich und Deinen Geist ins Hier und Jetzt - ein guter Start in eine achtsame Ausrichtung, um Dich auf die nächste Aufgabe zu fokussieren.

2. Experiment: Sei großzügig mit Puffern.

Wenn Du Dir für den Tag einen Plan schreibst, dann solltest Du alle To dos mit Prioritäten versehen - vielleicht nichts Neues für Dich. Worauf es bei einem achtsamen Tagesplan jedoch besonders ankommt: halte ausreichend Zeit für Unvorhergesehenes frei! Je größer der Puffer, desto seltener gerätst Du bei unerwarteten Aufgaben gleich in Hektik, denn diese wirft Dich gerne wieder ins alte Handlungsmuster „vieles gleichzeitig erledigen zu wollen“ zurück.

3. Experiment: Erobere Dir Rückzugsgebiete für die wirklich wichtigen Themen.

Im Auge des Orkans kann niemand klar denken. Suche Dir Deine persönlichen Oasen, an denen Du ungestört an den Themen, die Dir wirklich wichtig sind, arbeiten kannst. Ein zeitweiser Wechsel raus der Wohnküche, rein ins Arbeitszimmer zum Beispiel kann da wahre Produktivitätswunder vollbringen.

4. Experiment: Schaffe Dir regelmäßige Offline-Räume.

Ständige Erreichbarkeit erwartet niemand von Dir, höchstens Du selbst. Schaffe Dir regelmäßige Auszeiten zum Aufladen Deines körperlichen und seelischen Akkus – von einem Spaziergang am Morgen über eine Mittagspause im Park oder einem Kaffee/Tee nach Feierabend auf der Parkbank, ohne Smartphone & Co.

Wenn sich manche Experimente zunächst ungewohnt, holprig oder umständlich anfühlen, dann freue Dich, denn Du bist vollkommen im Lernprozess angekommen. Die gute Nachricht lautet: bei Ungewohntem sind wir oft höchst achtsam. Also stecke den Kopf nicht in den Sand, sondern bleibe geduldig mit Dir. Unsere Geduld ist ein wichtiger Anker für uns und unser achtsames Selbst- und Zeitmanagement.

Bei diesem Entwicklungsprozess nun viel Freude und wertvolle konzentrierte, kreative und produktive Erlebnisse. Vielleicht steckst Du ja sogar andere aus Deinem Umfeld mit Deiner Experimentierfreude an. So kann sich die Qualität des Monotasking vom kleinen ins große System Deines Unternehmens/ Deiner Organisation entwickeln.

In diesem Sinne achtsame Grüße
Andrea Lawlor von 2care

Gemeinsam für eine gesunde Arbeitswelt!

Aus dem 2care Blog